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by Flo HolnburgerBogdan Radosavljevic - Most Wanted
"Yugo-Schule"
Bogdan
Radosavljevic wuchs bis zum 14. Lebensjahr in Serbien auf. Dies merkt
man ihm auch an, ist er im Gespräch doch ähnlich locker und
sympahthisch wie ein Marko Pesic oder andere Leute mit
Balkan-Wurzeln, die sich selbst gerne als „Yugo“ bezeichnen. Das
sagt auch Bogdan selbst von sich. „Ich bin ein Center der alten
„Yugo“-Schule.“ Lies: Beachtenswerte Technik, spielintelligent,
gewitzt in der Zone, solider Mitteldistanzwurf und mächtig viel
Potential, welches es noch auszuschöpfen gilt. Dazu packt „Bogi“
ein feines Gespür für das Shotblocking, 2,13m Körperlänge und
bereits mit 18 Jahren ein Kampfgewicht von dem andere Youngster nur
träumen dürfen. Für Dirk Bauermann, seinem Coach bei Bayern
München, zählt er mit Bambergs Tibor Pleiß (23 Jahre) so auch zur
Zukunft auf der Fünf der Nationalmannschaft. Nun, da wird unter
anderen auch ein Philipp Neumann (19 Jahre) mitreden wollen, aber es
wird bei derartiger Aussage schon klar wie viel Bauermann von
Radosavljevic hält. Und wer sich einen Bauermann-Schützling nennen
darf hat aufgrund des sehr treuen und seriösen Trainers auch beste
Aussichten für die Zukunft.
2 Jahre Sperre für Deutschland
So hat sich Bauermann einst
auch stark gemacht Radosavljevic für die deutsche Nationalmannschaft
zu gewinnen. Der wollte mit 14 Jahren eh in Deutschland bei seinem
Vater in Nürnberg wohnen. Damals sprach Bogdan übrigens noch kein
Wort der hiesigen Sprache, kaum vorstellbar bei seinem aktuell so
astreinen Deutsch. Grund hierfür sind die „Trainingseinheiten“
mit seiner Stiefmutter, einer Germanistik-Professorin. Bald darauf
spielte das Talent für kurze Zeit in Urspring und Österreich - um
aber den deutschen Pass zu erhalten, musste er in Deutschland wohnen
und zur Schule gehen. Nun wollte der serbische Verband das Talent
allerdings nicht einfach so abziehen lassen und wollte ihn mit aller
Macht an Serbien binden. Sie zogen sogar am letzten Strohhalm und
sperrten Radosavljevic für satte zwei Jahre. Zwei Jahre in denen er
sich keinem Verein anschließen durfte, zwei Jahre in denen er seinen
Entschluss für Deutschland zu spielen nicht abbringen ließ.
Glücklicherweise wurde er fortan von seinem Vater, ein
Basketball-Coach, individuell trainiert und fit gehalten. Ein
bisschen Bitterkeit ist über die nicht gerade übliche Sperre auch
noch heute in Bogis Stimme erkennbar, aber er schließt dazu: „Sie
waren halt sauer, Das liegt aber nun alles zurück und ist nicht mehr
wichtig.“
Kennst Du Dirk Nowitzki persönlich? Trockene Antwort: "Ja klar, den kenn ich schon lange!"
Wichtiger sind da die letzten knapp zwei Jahre,
die viel gutes für ihn brachten. Bspw. seine ersten Einsätze in den
Jugendnationalmannschaften als er beim Albert Schweitzer Turnier 2010
und später bei der U17-WM in Hamburg ohne große Spielpraxis
beachtliche Turniere spielte. „Am Finaltag wurde ich von Wolfgang
Brenscheidt einmal nach oben in die VIP-Kabinen geführt als
plötzlich jemand von hinten auf mich zutrat und mir alles Gute zum
Geburtstag wünschte!“ Es sollte Dirk Nowitzki sein, der ihm beim
Vornamen ansprach. Davon war Bogi dann auch erstmal ziemlich
geplättet soll darauf aber laut eigener Aussage doch noch Worte
gefunden haben. „Es war einfach geil.“, sagt er jetzt dazu in
seiner typisch trockenen Art. Fieberte er dann auch im letzten Sommer
bei Dirks Finals mit und machte die Nächte durch? „Aber Hallo, na
klar!“
Ab zu den Bayern
Ja, es hat schon definitiv Vorteile ein riesiges
Talent zu sein. So kam nach Hamburg auch recht flott der Call
Bauermanns, der Radosavljevic zum wohl heißesten Basketball-Projekts
Europas holte. Nach München, dort wohnt er nun alleine und fühlt
sich einfach wohl: „Mit Darius Hall – den witzigsten Typen, den
ich kenne - Sascha Nadjfeji oder Jan Jagla habe ich im Training ein
paar erfahrene Big Men von denen ich richtig viel lernen kann und
voll unterstützt werde. Das läuft absolut gut und positiv für
mich.“ Nach der von einer Schulterverletzung etwas überschatteten
Zweitliga-Saison in München wurde er noch im Sommer zum
U18-Allstar-Game am Finaltag der Herren-EM in Litauen eingeladen:
„Das war auch so ein cooles Ereignis unter den 24 besten Spielern
Europas sein zu dürfen. Wir wurden sogar schon fünf Tage vorher
eingeflogen und konnten noch einige Spiele angucken.“ Beim Spiel
selbst markierte Radosavljevic übrigens 8 Punkte sowie 8 Rebounds
und heimste erneut mächtig viel an internationalem Lob ein.
Wunschliste 2012: "Zweimal Playoffs, Schulabschluss, Führerschein und U20-Team"
Es geht also steil bergauf und dabei erwartet ihn 2012 schon wieder so einiges. Bogi steckt im Abschlussjahr seiner Realschule, macht den Führerschein, möchte sich für das U20-Team empfehlen und will mit dem NBBL-Team in die Playoffs. „Das wird schwierig,“, gibt er zu. Radosavljevic trainiert ausschließlich mit dem Profi-Team und trifft die U19-Mannschaft lediglich noch am Wochenende zu den Spielen. Da fehlt selbstredend etwas die Anbindung an das Team worauf sich der Gegner noch produktiver „mit drei Mann auf mich stürzen kann.“, witzelt er. Gelegentlich kommt den Koloss aber doch noch ein Sahnespiel dazwischen, wie kürzlich gegen Bayreuth als er eine 25/21-Powerstatline ablieferte.
Was
erwartet er vom BBL-Team? „Eine starke Rückrunde in der wir noch
möglichst viele Spiele gewinnen. Wir werden um die Playoffs
kämpfen.“, meint er ob der zuletzt stugglenden Bayern. Doch mit
den Ergänzungen Chevon Troutman (PF) und Jared Homan (C) fahren die
„roten Riesen“ mittlerweile einen nominell fantastischen
Frontcourt auf, der in der Liga noch so einigen Schaden anrichten
sollte. Die beiden US-Profis sind allerdings auch der Grund warum
Radosavljevic mittlerweile kaum noch BBL-Parkettzeit erhält. Ist das
akzeptabel? „Ach, als junger Spieler hat man es ja nie leicht,
weißt Du.“ , meint er und fügt an: „Ich freue mich natürlich
um jede Minute auf dem Spielfeld. Im Training mit den Veterans oder
im Individualtraining mit Dennis Wucherer lerne ich so viel, das ist
sehr wertvoll.“ Die BBL sei schon eine neue Welt, ein ganz anderes
Niveau als die ProA... „da geht's richtig ab.“, vergleicht
er.
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Radosavljevic vs. "The Stache" - Mut hat er.
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Erfolgsdruck
Belastet da der Erfolgsdruck und die hohe
Erwartungshaltung, die Bogdan Radoavljevic überall hin verfolgt?
„Ein bisschen belastend ist es schon, allerdings zeigt es mir auch,
dass ich was drauf habe und das motiviert mich.“ Eines will er an
dieser Stelle noch anfügen, das klingt bescheiden und ist eine gute
Sache: „Ich muss noch viel lernen... also noch so richtig vieeel,
bevor ich mich wirklich zu den Besten zählen darf.“ Athletik,
Durchsetzungswillen, Ballhandling wären vermutlich die ersten
Ansatzpunkte an denen das große Talent noch drehen will..
Und die Zukunft?
College-Angebote gibt’s für natürlich trotzdem massig. „Oh ja, da gab's viele Anfragen.“, bestätigt er, das nötige Abitur könnte natürlich über diverse Wege nachgeholt werden. „Aber das College interessiert mich überhaupt nicht. Ich bin ja einer, der der Yugo-Schule entstammt, da passe ich mit meinem Spielstil nicht wirklich hin.“ Die Frage muss kommen, auch wenn sie unverschämt weit vorgreift. Wie sieht's mit NBA und NBA-Draft aus? „Das wäre etwas anderes, die NBA würde mir, glaube ich, schon besser liegen, aber die nächsten zwei Jahre konzentriere ich mich auf München.“, antwortet er souverän.
Wollen
würde er also schon mögen, aber wie sagte Jugendbundestrainer Frank
Menz einmal im Yabazz-Interview? Ziel sei es nicht schon jetzt
NBA-Spieler auszubilden sondern erstmal die Lücke zum
Euroleague-Niveau zu füllen. Bogdan Radosavljevic hat in München
für zwei Jahre unterschrieben wo er unter Bauermann noch so einiges
mitbekommen wird. Aber bei Vertragsende wäre er dann 21 Jahre alt,
spätestens dann muss für harte Spielzeit für den persönlichen
Fortschritt her, da sieht er auch selbst so. Er drückt dies nur
etwas kürzer und im angelehnten „Beckenbauerisch“ aus: „Dann
schauen wir mal...“
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