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by Flo HolnburgerLeon Tolksdorf – Den Kopf nicht mehr im Knie
Flux Compensator
Man könnte fast meinen Leon stehe im Pakt mit Doc Brown und Marty McFly aus „Back to the future“. Denn wie hätte der 18-jährige Berliner ohne den Flux Compensator* nur die Zeit zurückdrehen können? Die Frage erscheint berechtigt, wenn er durch die Ligen ProB und NBBL streift als ob da nie ein Innen- und Kreuzbandriss, als ob weder eine OP, eine Reha-Phase oder der lange Kampf zurück gewesen wären. Beweis seines Comebacks ist das Programm einer langen Woche: Sonntag, 30 NBBL-Minuten. Dienstag, 31 NBBL-Minuten. Freitag, 29 ProB-Minuten. Sonntag, 32 NBBL-Minuten. Eine kraftraubende Woche. „Ja, ich bin schon ein bisschen kaputt, aber es geht.“, sagt er selbst. Es zeigt vor allem genau eines. Einer, der von sich behauptet nicht verletzungsanfällig zu sein ist endgültig zurück im Leistungssport.
Leon unter Damen
„Damals im Februar 2010 zog ich während
eines Oberliga-Spiels Richtung Korb. Von beiden Seiten kamen die
Verteidiger. Ich hatte wirklich Pech, denn ich kam unglücklich auf
und verdrehte mir das Knie. Der lange Ausfall war schwierig zu
verkraften.“, erinnert er sich. Tolksdorf konnte darauf beim Albert
Schweitzer Turnier sowie bei der U17-WM in Hamburg nur zusehen. „Da
habe ich schon zwei echte Highlights verpasst.“, bedauert er. Den
Weg zurück ebnete er sich auch mithilfe von Claudia
(Physiotherapeutin) und Andreas Lange (Trainer). Über sie bekam er
auch die Möglichkeit sich in einem Lichterfelder Mädchenteam wieder
an das Spiel zu gewöhnen. Darüber erzählt er: „Das war wirklich
eine sehr lustige Zeit und ich bin den Spielerinnen auch dankbar,
dass sie mich zwar forderten aber nicht so übermotiviert
spielten.“
„Am Anfang hatte ich schon noch den Kopf im
Knie,“, berichtet er über seine ersten Schritte auf dem Court und
spricht weiter: „Angst, dass wieder etwas passieren würde hatte
ich nicht wirklich, allerdings fühlte sich das Knie oft steif an.
Als dieses Gefühl dann endlich weg war, war ich sehr glücklich und
jetzt ist wieder alles so stabil wie vorher. Ich denke auch gar nicht
mehr dran.“
„Jetzt klopfe ich auf alles was rumliegt damit ich nicht nochmal derartiges Pech habe.“
Mittlerweile
setzt Tolksdorf seinen Leistungssportkörper von 2,01m und 100kg ein
um sich innerhalb der NBBL als einer der besten Power Forwards zu
etablieren. Ein hoch spielintelligenter MVP-Kandidat, der 17 Punkte
und 13 Rebounds im Schnitt abliefert. „In der NBBL lebe ich
definitiv von meinem Körper.“, lacht er. Zukünftig wird Tolksdorf
vornehmlich die Drei spielen, den soliden Dreierwurf und die nötige
Geschwindigkeit hat er dafür bereits. „Sagen wir mal so, ich bin
meiner Stärken schon bewusst, aber ich muss noch viel arbeiten.
Derzeit versuche ich mit meinen Trainern das Ballhandling, den
Handwechsel sowie die Moves unter dem Korb zu verbessern.“, sagt
er, wenn er gefragt wird, was es noch zu tun gibt.
Eines fehlt
sicher nicht. Der eigene Antrieb. Auf die Frage warum er
nun so gut spielt, beantwortet der ansonsten sehr bedachte Tolksdorf
schnell und energisch: „Weil ich absolut motiviert bin. Ich habe so
viel aufzuholen und kann nun in meiner letzten NBBL-Saison endlich
befreit aufspielen. Ohne Familie, den Coaches und dem sehr guten Team
bei ALBA würde es allerdings nicht so gut laufen.“, dann fügt er
an: „Jetzt klopfe ich auf alles was rumliegt damit ich nicht
nochmal derartiges Pech habe.“
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Was macht NBBL-ALBA so stark?
„Wir haben mit Niklas Ney und Robyn Missa zwei 95er-Center, die gleich in ihrer ersten NBBL-Saison richtig gute Spiele zeigen und auch mit mir haben wir eine Anspielstation am Brett. Aber wir spielen kein Centerlastiges System sondern haben einfach sehr viele gute Werfer im Team. Egal ob nun Mauricio Marin, Marley Jean-Louis oder Alexander Blessig. Vor allem diese Ausgeglichenheit macht uns gut.
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Einer der Leader in Berlin
Spielverständnis
ist eine seiner großen Stärken („Das hat man oder nicht.“). Der
Abiturient ist ein intelligenter Junge, eines seiner Abi-Fächer ist
übrigens Politikwissenschaften. Ein ungewöhnliches Interesse, aber
Leon drückt auch klar aus, dass ihm Basketball alleine zu wenig ist.
Er wird neben dem Sport studieren, ob nun in den USA oder in
Deutschland werden die nächsten Monate klären. Im Gespräch wirkt
er weitaus abgeklärter als es seine 18 Jahre vermuten lassen.
Erkundigt man sich über Leon bei Team-Kollegen Niklas Ney, dem
16-jährigen Center bei ALBA, erfährt man: "Ich kann aus ein
paar Gesprächen außerhalb des Trainings ziehen, dass Leon zwar sehr
ruhigen Gemütes ist, das aber total im Gegensatz zu dem steht,
wenn's um Basketball geht. Er ist ein sehr reifer Typ, inner- sowie
außerhalb des Basketballs, doch in jedem Spiel und in jeder
Trainingseinheit merkt man, mit wie viel Herz er bei der Sache ist.“
Und auch Leon gibt zu, dass er auf dem Feld gerne seine
Meinung sagt und anspricht wenn ihm etwas auffällt, um dann
anzufügen: „Ich freue mich dem Team helfen zu können, und
besonders auch dann wenn meine Leistungen respektiert werden.“ Als
einer von nur drei „93ern“ der NBBL-Mannschaft übernimmt er
Verantwortung. Trotz der jungen Mitspieler sicherte man sich kürzlich
den Division-Titel im Nordosten. „Ich denke schon, dass die älteren
Jahrgänge einen Vorteil in Sachen Erfahrung haben, aber ich bin da
der selben Meinung wie mein Trainer Milan Pesic. Es zählt in erster
Linie wie gut ein Spieler ist und welche Leistungen er abliefert.
Unabhängig vom Alter.“
Da
sich die gefährlichen Süd-Teams um Jena, Urspring und
Breitengüßbach bis zum Finale untereinander batteln, hat Berlin –
besonders nach den jüngsten Leistungen - im Norden eigentlich nur
Top4-Gastgeber Hagen so richtig zu fürchten. Was hat sich Leon
vorgenommen? „Ich denke das Final Four** ist ein realistisches
Ziel.“
Gewinner
Im Sommer könnte als Krönung der Saison sogar der Sprung in das U20-Team gelingen. Es wäre sein erster Nationalmannschaftseinsatz seit der U16-EM im Sommer 2009, ein sehr gutes Zeichen war die Einladung zum Tryout***. „Der 92er Jahrgang ist schon superstark. Von daher möchte ich da gar keine Wünsche äußern sondern vielmehr meine Leistungen sprechen lassen. Und wenn's dieses Jahr nicht klappt, dann vielleicht eben nächstes Jahr.“
Wie auch immer diese Saison endet, Leon Tolksdorf ist einer der Gewinner dieser Saison.
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* Ein paar Tage nach dem Gespräch. Leon, kennst Du überhaupt den Flux Compensator? „Nein, aber nach einer kurzen Google-Recherche wusste ich Bescheid.“
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So sagt eigentlich auch noch heute jeder zum Top4 - auch weil's nur wegen
der unhumorigen NCAA „Top4“ heißt. Der Hochschulverband verbot die Benutzung von "Final Four" aus
Copyright-Gründen.
*** „Beim Tryout gilt das
gleiche wie für das NBBL-Allstar Game. Es war einfach sehr, sehr
schön die ganzen Jungs wieder zu sehen, mit denen ich schon in der
U16 spielte.“ Im 92er-Jahrgang warten übrigens bspw. Mathis
Mönninghoff, Patrick Heckmann, Daniel Theis, Maxi Kleber oder Dennis
Kramer auf seinen Positionen auf.




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