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Tolksdorf in „Back to the Future“
Feb. 17, 2012 / NBBL
by Flo Holnburger
Leon Tolksdorf – Den Kopf nicht mehr im Knie
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Yabazz-Exklusiv - Leon Tolksdorf hatte Pech. Richtig viel Pech. Eigentlich gilt er ja als Modellathlet, eher als Mann unter Jungs in der Jugendliga. Doch mit 16 Jahren geriet er während eines Spiels inzwischen zweier Gegenspieler und wurde schwer am Knie verletzt. Eineinhalb Jahre war er darauf weg, doch er kämpfte sich zurück und ist jetzt so gut wie nie zuvor. Der NBBL-Allstar, MVP-Kandidat und Leader des NBBL-Contenders ALBA Berlin hat nun sogar Aussichten auf eine Nominierung für das U20-Team. Wir sprachen mit ihm.

Flux Compensator

Man könnte fast meinen Leon stehe im Pakt mit Doc Brown und Marty McFly aus „Back to the future“. Denn wie hätte der 18-jährige Berliner ohne den Flux Compensator* nur die Zeit zurückdrehen können? Die Frage erscheint berechtigt, wenn er durch die Ligen ProB und NBBL streift als ob da nie ein Innen- und Kreuzbandriss, als ob weder eine OP, eine Reha-Phase oder der lange Kampf zurück gewesen wären. Beweis seines Comebacks ist das Programm einer langen Woche: Sonntag, 30 NBBL-Minuten. Dienstag, 31 NBBL-Minuten. Freitag, 29 ProB-Minuten. Sonntag, 32 NBBL-Minuten. Eine kraftraubende Woche. „Ja, ich bin schon ein bisschen kaputt, aber es geht.“, sagt er selbst. Es zeigt vor allem genau eines. Einer, der von sich behauptet nicht verletzungsanfällig zu sein ist endgültig zurück im Leistungssport.

Leon unter Damen

„Damals im Februar 2010 zog ich während eines Oberliga-Spiels Richtung Korb. Von beiden Seiten kamen die Verteidiger. Ich hatte wirklich Pech, denn ich kam unglücklich auf und verdrehte mir das Knie. Der lange Ausfall war schwierig zu verkraften.“, erinnert er sich. Tolksdorf konnte darauf beim Albert Schweitzer Turnier sowie bei der U17-WM in Hamburg nur zusehen. „Da habe ich schon zwei echte Highlights verpasst.“, bedauert er. Den Weg zurück ebnete er sich auch mithilfe von Claudia (Physiotherapeutin) und Andreas Lange (Trainer). Über sie bekam er auch die Möglichkeit sich in einem Lichterfelder Mädchenteam wieder an das Spiel zu gewöhnen. Darüber erzählt er: „Das war wirklich eine sehr lustige Zeit und ich bin den Spielerinnen auch dankbar, dass sie mich zwar forderten aber nicht so übermotiviert spielten.“

„Am Anfang hatte ich schon noch den Kopf im Knie,“, berichtet er über seine ersten Schritte auf dem Court und spricht weiter: „Angst, dass wieder etwas passieren würde hatte ich nicht wirklich, allerdings fühlte sich das Knie oft steif an. Als dieses Gefühl dann endlich weg war, war ich sehr glücklich und jetzt ist wieder alles so stabil wie vorher. Ich denke auch gar nicht mehr dran.“

„Jetzt klopfe ich auf alles was rumliegt damit ich nicht nochmal derartiges Pech habe.“

Mittlerweile setzt Tolksdorf seinen Leistungssportkörper von 2,01m und 100kg ein um sich innerhalb der NBBL als einer der besten Power Forwards zu etablieren. Ein hoch spielintelligenter MVP-Kandidat, der 17 Punkte und 13 Rebounds im Schnitt abliefert. „In der NBBL lebe ich definitiv von meinem Körper.“, lacht er. Zukünftig wird Tolksdorf vornehmlich die Drei spielen, den soliden Dreierwurf und die nötige Geschwindigkeit hat er dafür bereits. „Sagen wir mal so, ich bin meiner Stärken schon bewusst, aber ich muss noch viel arbeiten. Derzeit versuche ich mit meinen Trainern das Ballhandling, den Handwechsel sowie die Moves unter dem Korb zu verbessern.“, sagt er, wenn er gefragt wird, was es noch zu tun gibt.

Eines fehlt sicher nicht. Der eigene Antrieb. Auf die Frage warum er nun so gut spielt, beantwortet der ansonsten sehr bedachte Tolksdorf schnell und energisch: „Weil ich absolut motiviert bin. Ich habe so viel aufzuholen und kann nun in meiner letzten NBBL-Saison endlich befreit aufspielen. Ohne Familie, den Coaches und dem sehr guten Team bei ALBA würde es allerdings nicht so gut laufen.“, dann fügt er an: „Jetzt klopfe ich auf alles was rumliegt damit ich nicht nochmal derartiges Pech habe.“

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Was macht NBBL-ALBA so stark?

„Wir haben mit Niklas Ney und Robyn Missa zwei 95er-Center, die gleich in ihrer ersten NBBL-Saison richtig gute Spiele zeigen und auch mit mir haben wir eine Anspielstation am Brett. Aber wir spielen kein Centerlastiges System sondern haben einfach sehr viele gute Werfer im Team. Egal ob nun Mauricio Marin, Marley Jean-Louis oder Alexander Blessig. Vor allem diese Ausgeglichenheit macht uns gut.

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Einer der Leader in Berlin

Spielverständnis ist eine seiner großen Stärken („Das hat man oder nicht.“). Der Abiturient ist ein intelligenter Junge, eines seiner Abi-Fächer ist übrigens Politikwissenschaften. Ein ungewöhnliches Interesse, aber Leon drückt auch klar aus, dass ihm Basketball alleine zu wenig ist. Er wird neben dem Sport studieren, ob nun in den USA oder in Deutschland werden die nächsten Monate klären. Im Gespräch wirkt er weitaus abgeklärter als es seine 18 Jahre vermuten lassen. Erkundigt man sich über Leon bei Team-Kollegen Niklas Ney, dem 16-jährigen Center bei ALBA, erfährt man: "Ich kann aus ein paar Gesprächen außerhalb des Trainings ziehen, dass Leon zwar sehr ruhigen Gemütes ist, das aber total im Gegensatz zu dem steht, wenn's um Basketball geht. Er ist ein sehr reifer Typ, inner- sowie außerhalb des Basketballs, doch in jedem Spiel und in jeder Trainingseinheit merkt man, mit wie viel Herz er bei der Sache ist.“

Und auch Leon gibt zu, dass er auf dem Feld gerne seine Meinung sagt und anspricht wenn ihm etwas auffällt, um dann anzufügen: „Ich freue mich dem Team helfen zu können, und besonders auch dann wenn meine Leistungen respektiert werden.“ Als einer von nur drei „93ern“ der NBBL-Mannschaft übernimmt er Verantwortung. Trotz der jungen Mitspieler sicherte man sich kürzlich den Division-Titel im Nordosten. „Ich denke schon, dass die älteren Jahrgänge einen Vorteil in Sachen Erfahrung haben, aber ich bin da der selben Meinung wie mein Trainer Milan Pesic. Es zählt in erster Linie wie gut ein Spieler ist und welche Leistungen er abliefert. Unabhängig vom Alter.“

Da sich die gefährlichen Süd-Teams um Jena, Urspring und Breitengüßbach bis zum Finale untereinander batteln, hat Berlin – besonders nach den jüngsten Leistungen - im Norden eigentlich nur Top4-Gastgeber Hagen so richtig zu fürchten. Was hat sich Leon vorgenommen? „Ich denke das Final Four** ist ein realistisches Ziel.“

Gewinner

Im Sommer könnte als Krönung der Saison sogar der Sprung in das U20-Team gelingen. Es wäre sein erster Nationalmannschaftseinsatz seit der U16-EM im Sommer 2009, ein sehr gutes Zeichen war die Einladung zum Tryout***. „Der 92er Jahrgang ist schon superstark. Von daher möchte ich da gar keine Wünsche äußern sondern vielmehr meine Leistungen sprechen lassen. Und wenn's dieses Jahr nicht klappt, dann vielleicht eben nächstes Jahr.“

Wie auch immer diese Saison endet, Leon Tolksdorf ist einer der Gewinner dieser Saison.


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* Ein paar Tage nach dem Gespräch. Leon, kennst Du überhaupt den Flux Compensator? „Nein, aber nach einer kurzen Google-Recherche wusste ich Bescheid.“

** So sagt eigentlich auch noch heute jeder zum Top4 - auch weil's nur wegen der unhumorigen NCAA „Top4“ heißt. Der Hochschulverband verbot die Benutzung von "Final Four" aus Copyright-Gründen.

*** „Beim Tryout gilt das gleiche wie für das NBBL-Allstar Game. Es war einfach sehr, sehr schön die ganzen Jungs wieder zu sehen, mit denen ich schon in der U16 spielte.“ Im 92er-Jahrgang warten übrigens bspw. Mathis Mönninghoff, Patrick Heckmann, Daniel Theis, Maxi Kleber oder Dennis Kramer auf seinen Positionen auf.

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