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Die Akte „LeBron Flames"
Jul. 16, 2010 / NBA
by Flo Holnburger
NBA-Free-Agency (1)– Wo ist der neue Champion?
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Ein ganzes Jahr in New York sogar ein gefühltes halbes Jahrzehnt - drehte sich alles um diesen Sommer. Immerhin liefen die Verträge zahlreicher NBA-Stars aus und die alte Basketballweisheit hatte demnach unter NBA-Managern Hochkonjunktur: „Der Champion wird im Sommer gemacht.“ Wir lassen uns Die Freie-Agenten-Periode enttäuschte uns nicht, gleich zu Beginn gingen die großen Namen über die Ladentheke. Die Analyse der Deals aus Miami, LA, Chicago und New York.

Miami Heat

...holen LeBron James, Chris Bosh, Mike Miller, Zydrunas Ilgauskas und halten Dwyane Wade, Udonis Haslem

Wie jetzt? Will LeBron James nicht mehr der erste Basketball-Milliadär der Welt werden? Egal, der Gehaltsverzicht von insgesamt 15 Millionen Dollar während seines Sechsjahres-Vertrag kommt da sogar richtig sympathisch rüber. Ihm ist der Erfolg wichtiger als das Maximalgehalt. Allerdings ließ er medienwirksam zur Primetime auf ESPN (10 Millionen Zuschauer) seine Entscheidung verkünden. Dies traf die die Cavaliers schwer unerwartet, da der gute „Bron“ vorher so rein gar nichts mitteilte. Dafür gab's ordentlich Schimpfe von NBA-Boss David Stern, der ungewöhnlich klare fand: Klick. In Cleveland kam es zu spontanen Trikotverbrennungsaktionen, in Cavs-Foren geht das derbste Geflame los, sein Ego wurde mit einem eigenen Twitter-Account ausgestattet und hat nun einen Partner neben LeBrons Ellbogen.

Eigentlich alles sehr lustig. Im Endeffekt ist ja alles nur Business. Ich hätte mir gewünscht Dirk Nowitzki hätte den Free-Agent-Markt ähnlich angetestet. James verhielt sich zwar unrühmlich gegenüber dem alten Arbeitgeber und brannte dort alle Brücken ab (wir dürfen uns auf das Match der Heat in Ohio freuen!), für seine sportliche Karriere ist dies wohl aber der richtige Weg, da sich seine Titelchancen geradezu potenzieren.

In einem Team mit derartigem „Superstar-Überflow“ wird Brons „Greatness“ allerdings gehörig gestutzt. Einzigartig und unsterblich wie es seine Lufthoheit Michael Jordan ist, kann er so eher nicht werden. Ist dieser freiwillige Verzicht auf persönliche Meriten eine sympathische Wendung der Rampensau James und veränderte sich nach den katastrophal verlaufenen Playoffs etwas in ihm, dass er nicht mehr überzeugt ist, der wiedergekehrte Jesus in Sneakers zu sein?

Mit Chris Bosh, der ebenfalls insgesamt auf rund 15 Millionen verzichtet, waren die HEAT für anständige Role Player jedenfalls so unwiderstehlich wie für Motten das Licht. Mr.Work Ethic Udonis Haslem schlug ein überüppiges Angebot aus Dallas aus um in Florida zu bleiben. Dessen alter Buddy aus College-Tagen der Florida Gators, Mike Miller, gilt seit Jahren als diplomierter „difference maker“, der eiskalt den Vollstrecker von der Dreierlinie gibt – letztes Jahr übrigens satte 48% von Downtown! Ob man dem 30-jährigen aber unbedingt einen Fünfjahresvertrag geben musste, ist fraglich.

Egal, die Cavs erinnern an ein „Boston reloaded“, als diese Kevin Garnett, Ray Allen sowie eine Herde von Schlachtpferden zu Paul Pierce holten. Der Titel folgte damals. Allerdings bestehen durchaus noch Fragezeichen. Bosh, James und Wade sind allesamt am Besten wenn sie den Ball in den Händen halten. Bei Defensivantreiber Garnett und Dreiergott Allen war dies von vornherein anders, die so perfekt zum ballverliebten Pierce passten. Aber James und Co. dürften sich halt auch nicht unbedingt zusammentun wollen um sich dann nicht auch an den Gegebenheiten anzupassen. Ein defensivstarker, raubeiniger Center-Knochen und ein nicht komplett unfähiger Ballverteiler (vermutlich reicht hier Mario Chalmers) fehlen noch zum endgültigen Glück. Letztendlich wartet man nur noch bis der große Meister-Coach Pat Riley vom Präsidenten-Thron steigt um seinen Protegé und den aktuellen Head-Coach Erik Spoelstra in die zweite Ränge drängt.

Es wäre sicherlich prickelnd gewesen, LeBron James nochmal ein „eigenes“ Team aufbauen, anstatt ihn ins gemachte Nest sitzen zu lassen.So entstand allerdings endlich ein ernsthafter Gegner für die Lakes, die letztes Jahr aufgrund der fehlenden Konkurrenz sich meist arg gelangweilt über das Feld schleppten.

…..und wie reagierten eigentlich die LA Lakers?

Die haben nun Steve Blake! In LA ekelte Coach Jackson den trainingsfaulen Jordan Farmar endgültig raus. Mit Blake kommt nun ein biederer Beamtenbasketballer daher, der aber als deutlich besserer und fehlerfreier Spieler angesehen werden darf. Endlich erhält der etwas fußlahme Derek Fisher Unterstützung auf der Eins. In den Playoffs bewies er nochmal seine Klasse, eine gesamte Saison sollte der alte „Fish“ aber nun wirklich nicht mehr starten müssen. Ob dies reicht um „Jaxs“ Tradition aufrecht zu erhalten? Der ZEN-Meister gewinnt doch seine Titel traditionell stets im Dreierpack.


Plan B in Chicago und New York

Beide Teams wollten an der großen Free-Agent-Sause teilnehmen, wurden dann aber von den Stars entweder gar nicht beachtet oder wurden nur zur langweiligeren B-Party eingeladen.


Chicago Bulls

holen Carlos Boozer

Der Fleischmützenträger Boozer sieht zwar nicht unbedingt so aus, aber er ist mit seinen 28 Jahren immer noch relativ jung. Da die Bulls weder an James, Wade noch Bosh rankamen, verprassten sie ihr Kleingeld für Carlos Boozer. Klar, der Forward ist gut, aber er darf jährlich doch keine 16 Millionen (mehr als das Heat-Trio) verdienen? Ich meine, der Mann spielt absolut keine Defense! Andererseits war er vor dem Jazz-Stint samt dessen fetten Kontrakt ein sehr ordentlicher Verteidiger. Vorne ist seine Klasse sowieso unbestritten. Der feine Techniker sollte also wunderbar zum Center-Arbeitspferd und Grobmotoriker Joakim Noah passen. Mit Derrick Rose und Luol Deng sollten so die Playoffs sicher erreicht werden. Die Hoffnung liegt aber sicherlich noch mehr in der Zukunft.


New York Knicks

holen sich Amar'e Stoudemire, Ray Felton, Anthony Randolph und Kelenna Azubuike

Obwohl lange vorbereitet, wurde es nichts mit den erhofften James oder Wade. Vielleicht drückte der letzte dicke Vertrag ( der von Eddy Curry) zu viel. Dafür holte man sich eine äußerst harmonische Riege an den „Big Apple“. Head-Coach Mike D'Antoni steht seit jeher für wunderbaren, hochattraktiven Tempo-Basketball und legère Defensiv-Systeme. Stoudemire, der D'Antoni noch aus gemeinsamen Suns-Tagen bestens kennt, bewies letzte Saison, dass er so etwas ähnliches wie ein Franchise Player sein kann. Aber: Ausgerechnet im „Contract Year“ (na sowas) kümmerte er sich auch mal ausnahmsweise um defensive Tätigkeiten. 100 Millionen in 5 Jahren sind für einen Spieler einfach zuviel, der garantiert keinen Titel bringen kann. Was soll das? Ein Lockout steht für die Saison 2011/12 wohl sicher bevor, da die Teams jährlich insgesamt rund 400 Millionen Dollar Miese machen und New York verpulvert das Geld derartig freizügig.

Mit den offensiv sehr versierten Springern Randolph und Azubuike wird das Team jedenfalls plötzlich megaathletisch, mit Felton hat man dazu endlich einen adäquaten Einser, der den Uptempo-Ball problemlos antreiben kann. Kombiniert mit dem aktuellen Knicks-Fundus Wilson Chandler, dem vermutlich talentiertesten von allen Danilo Gallinari und den fähigen Tony Douglas und Bill Walker, darf schon mal eines festgehalten werden: D'Antoni ist kein Meister-Coach, aber diese Truppe wird feinsten „7-seconds-or-less-Ball“ zelebrieren und zum Fan-Liebling mutieren. Zweite Playoff-Runde? Warum nicht?

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