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Am Anfang und Ende stark
Jul. 19, 2010 / Nationalmannschaft
by Flo Holnburger
Deutschland bei der U-20-EM
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Tolle Tage für DBB-Nachwuchsballer. Erst gelang dem U17-Team ein Sieg über das hochfavorisierte Spanien und wenige darauf wiederholte die U-20-Mannschaft des DBBs dieses Kunststück bei der U20-EM in Kroatien. Am Ende wurden die Spanier aber Dritter und Deutschland konnte sich erst im Endspiel gegen die Niederlande die Klassenzugehörigkeit sichern.

Deutschlands Nachwuchsbasketball ist trotzdem schwer im Kommen, die Systemänderungen greifen und schon stellen sich erste kleine Achtungserfolge ein. Erstmals neue Töne waren bei der letzten U20-EM zu hören, als der „89er-Wurf“ um Robin Benzing, Elias Harris, Tibor Pleiss und Co. ernsthaft um den Titel mitspielen sollten. Am Ende hielten aber auch diese Jungs gerade noch so die Klasse. Von Potential kann man sich zwar nichts kaufen, aber es ist eben auch unübersehbar da. Egal, die Erfolge der Youngster in NBBL, ProB und mitunter BBL sind zählbar, die Vorbereitung verlief viel versprechend, mit dementsprechend Selbstvertrauen ging die von Dennis Wucherer geleitete U20-Truppe in das Turnier.

Gegen Spanien zeigte man gleich zu Beginn die beste Turnierleistung und bot vor allem über die kompletten 40 Minuten konstanten Basketball. Überraschend viel Hilfe erhielt man vom Neo-Bayreuther Simon Schmitz, der für 18 Punkte verantwortlich war und per Buzzer-Beater-Dreier die spanische Armada versenkte. Doch leider blieb das Team nicht auf der Welle des Erfolges. Sicherlich hatte man mit der Auslösung Pech in einer Hammergruppe mit Spanien, Kroatien und Slowenien zu landen. Gegen den kroatischen Turniergastgeber zeigten unsere Jungs über geschätzte 32 Minuten das gleiche Niveau wie der Gegner, die restliche Spielzeit verlief sich allerdings in chaotischen Aktionen in Offensive wie Defensive. Der Wurm war drin im Team. Zum Abschluss der Vorrunde musste ein Sieg gegen Slowenien her. Keine leichte, aber eine lösbare Aufgabe. Dass es am Ende eine herbe 21-Punkte-Klatsche zu notieren gab, muss auch auf fehlendes Selbstvertrauen zurückzuführen sein. Im bis dato wichtigsten Spiel erwischte das U20-Team einen rabenschwarzen Tag. Nur ein Viertel konnte Deutschlands Frontcourt das Spiel offen halten, danach war das Spiel entschieden. Simon Schmitz ließ gegen Ende beinahe noch einmal so etwas wie Hoffnung aufkommen ließ als er auf sechs Punkte verkürzte, doch die Slowenen finishten mit 16-3. Aufgrund des schwachen Direktvergleichs wurde Deutschland schließlich sogar ans Tabellenende gespült, obwohl die selbe Bilanz als der Tabellenerste erreicht wurde.

Es wartete also die Abstiegsrunde im Doppelrunden-Modus auf. Gegen Tschechien zitterte man sich zu einem Overtime-Sieg, gegen die Türkei war eine nur streckenweise gute Leistung zu wenig und Holland wurde in der ersten Runde niedergekämpft. Die deutschen Jungs zeigten dabei von Spieltag zu Spieltag aufstrebende Form, sie schienen Rhythmus und Mut wieder gefunden zu haben. Das zweite Spiel gegen Tschechien wurde dann dementsprechend in allen Belangen dominiert. Maik Zirbes schwang sich zu 31 Punkten auf und schickte Tschechiens Frontcourt, was Athletik und Taktik betrifft, in die Vorschule zurück Die türkischen Nachwuchsballer hatte man darauf sogar am Rand einer Niederlage, wenn aber deren starker Frontcourt kontrolliert wurde, streute der Backcourt die Gemüts-Killer von außen ein und vise versa. So artete also das Schlussspiel gegen die Holländer zum Endfight um den rettenden zweiten Platz aus. Und was soll man sagen? Deutschland fing da an, wo es angefangen hat. Die Jungs spielten feinsten Basketball und entschieden das Match bereits nach zweieinhalb Vierteln. Ein versöhnlicher Abschied für ein unglücklich verlaufendes Turnier. Die Klasse wurde für die (für deutsche Verhältnisse) enorm starken kommenden zwei Jahrgänge gehalten und da darf dann mehr als die Vermeidung des Abstiegs erwartet werden.


Die Spieler in der Einzelkritik:


Das Team sollte ursprünglich drei Anker haben. Im Frontcourt die großen Jonas Wolfarth-Bottermann (Bonn und Rhöndorf/ProB) sowie Maik Zirbes (Trier), im Backcourt Maurice Stuckey (Bamberg und Breitengüßbach/ProB). Stuckey hätte indes sogar einer der auffälligsten Spieler des Turniers werden können, blieb aber bis auf wenige Lichtblicke hinter dem erhofftem Niveau zurück. Wolfarth-Bottermann ging mit einem angeschlagenen Knöchel reichlich gehandicapt ins Turnier, so war Triers Center-Koloss Maik Zirbes der beste und konstanteste Spieler des Teams.

Maik Zirbes – C – 11,7ppg – 6,8 rpg – 58%FG – 71%FT - 28mpg

Stets einer besseren, blühte allerdings erst gegen Ende des Turniers auf, als die Konkurrenz auf den großen Positionen etwas nachließ. Herausragend sicherlich sein 31/12-Spiel gegen Tschechien, er war bester Scorer, Rebounder und erhielt die meisten Minuten. Er war aber nicht ganz die Führungsfigur, die man erhofft hatte. In Trier weht nun ein neuer Wind, denn mit dem Neo-Coach Henrik Rödl kommt einer, der vehement auf die Jugend. Zirbes wird dort nun alleiniger Back Up auf der Fünf, DIE Chance für Spielzeit und Weiterentwicklung.

TJ DiLeo – SG – 10,7ppg – 23%3er – 52%3er

Der Sohn der Trainer-Legende Tony DiLeo (7-facher Meister im Damen-Basketball, 2-facher im Herren-Basketball, Coach der Damen-Nationalmannschaft, NBA-Coach in Philadelphia) erwies sich während des Turniers als echte Scoring-Option. Der Starter sorgte vorwiegend in der Abstiegsrunde für wichtige Punkte, auch wenn der Distanzwurf ungewöhnlich unsicher fiel. Der Deutsch-Amerikaner spricht zwar kein Deutsch, scheint sich aber gut eingelebt zu haben, da er die zweitmeiste Einsatzzeit erhielt. In Temple geht der Freshman nun in seine zweite College-Saison.

Simon SchmitzPG/SG – 10,3ppg – 39%3er

Tja, da haben die Bayreuther rechtzeitig vor der EM zugegriffen. Das Berliner Juwel kommt daher wie Heiko Schaffartzik. Der war nicht nur ebenfalls ein „abtrünniger“ Berliner, sondern scort auch besser als er passen kann. Schmitz ist die offensive Variante zu den anderen deutschen Talenten Pass-first-Spielmachern. Highlight bleibt sicherlich sein Game-Winner gegen Spanien und das Spiel gegen die Türkei als er 22 Punkte samt 6 Dreiern markierte. Schmitz war zwar auch unkonstant, zog aber oftmals das deutsche Team aus einer offensiven Lethargie heraus.

Maurice StuckeyPG/SG – 8,0ppg – 2,9rpg – 2,2spg – 2,3tpg

Das Augsburger Talent kann sicherlich mehr als er gezeigt hat, aber streckenweise leitete er das Team sehr gut. Zu selten offenbarte sich aber leider seine individuelle Scorer-Klasse. In der Defensive setzte er sich vorbildlich ein. Ausgerechnet im zweiten Spiel gegen Tschechien, als alle anderen punkten konnten, blieb er ohne Zählbares.

Steven Monse PF – 6,3ppg – 3,9rpg – 61%3er

Vielleicht die Überraschung des Turniers. Der Sohn des Boxers René Monse scheint die passende Arbeitsmoral in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Sein bedingungsloser Einsatz, seine fehlerfreie Leistung und seine Dreierstärke in wichtigen Phasen brachten ihm satte 24 Minuten Spielzeit pro Einsatz. Ein Trainer-Liebling in Spe, für den 1,96m großen Forward sollte nun der Wechsel auf die Drei folgen.

Jonas Wolfarth-BottermannPF/C – 5,4ppg

Kam aufgrund einer Verletzung nur zu 11 Minuten im Schnitt, nützte diese kurze Zeit allerdings gut aus.

Erik LandPF/C – 4,4ppg – 2rpg

Der Starter auf der Vier konnte erst keine Akzente setzen, war aber in der Abstiegsrunde dann eine relevante Hilfe und vor allen in den Türkei-Spielen eine Stütze. Die Leistungen in der ProB hätten eigentlich etwas mehr versprochen.

Akeem Vargas G/F – 4,4ppg – 3,6rpg – 1,9apg

Mit seinen 1,90m musste sich der explosive Vargas auf der Drei durchsetzen. Dies gelang eigentlich nur gegen Spanien. Diesen fügte er aber mit 16 Punkten in 36 Minuten heftigen Schaden zu. Danach ging offensiv nicht mehr viel, so verkleinerte sich auch seine Rolle. Der athletische Vargas wartete aber stets mit feinem Allround-Play auf und erwies sich am Ende als bester Passgeber. Nun kehrt er wieder in sein Division-II-College (Iowa Lakes Community) zurück.

Robert Huelsewede (2,5ppg) und Daniel Schmidt (1,7ppg) erhielten rund 10 Minuten Parkettzeit pro Spiel. Ersterer spielte zumeist abwartend an der Dreierlinie, Zweiterer hatte gute Momente im Spielaufbau.

Die beiden Jüngsten, Felix Engel (Foto) und Danilo Barthel, nahmen am hinteren Ende der Bank Platz und konnten sich so kaum auszeichnen. Engel, der Held der abgelaufenen NBBL-Finals, hätte durchaus mehr Parkettzeit verdient gehabt, dürfte aber trotzdem vieles gelernt haben.

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