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by Flo HolnburgerDirk Nowitzki verzichtet auf die WM
"Ich habe die junge Nationalmannschaft in Polen beobachtet, halte sie für sehr talentiert und habe jetzt in Hamburg auch die neuen Spieler kennengelernt. Ich bin mir sicher, dass sie sich bei der WM gut präsentieren und weiter entwickeln werden. Im nächsten Sommer werde ich gerne mit der deutschen Mannschaft versuchen, unser gemeinsames großes Ziel Olympia zu erreichen. Ich habe einen neuen Vertrag in Dallas unterschrieben, wo es mit einer neuen Mannschaft ganz neue Voraussetzungen gibt, und möchte mich in diesem Sommer zu hundert Prozent auf die kommende NBA-Saison konzentrieren", so das Statement Dirk Nowitzkis in der Pressemeldung des DBBs.
Vor erst rund 24 Stunden hat Nowitzki einen zuvor mündlich abgemachten Vierjahresvertrag bei den Dallas Mavericks unterschrieben, der ihm insgesamt 80 Millionen Dollar plus 16 Millionen extra (No-Trade-Klausel) einbringen soll. Das berichtet zumindest die „Dallas Morning News“, die Haus- und Hofzeitung der Dallas Mavericks. Im Zuge seiner Unterschrift dieses üppigen Rentenvertrages kommt die Entscheidung, dass er auf eine WM ohne großen sportlichen Reiz, verzichtet nicht allzu überraschend. Der eingebürgerte Chris Kaman von den LA Clippers dürfte nun natürlich keinen Bock verspüren, das junge Team anzuführen und somit ebenfalls auf einen Einsatz in der Türkei verzichten.
Böse muss man dem 32-jährigen Würzburger deswegen nun keinesfalls sein. Nowitzki hielt seine Knochen oft genug hin, er opferte aufgrund seiner Extraklasse deutlich mehr für die Nationalmannschaft als jeder andere Nationalspieler. Wir erinnern uns sicherlich noch gerne an die EM 2005 in Serbien zurück, als er bis zur Erschöpfung spielend, das deutsche Team ins Finale trug. Damals vermutlich am Zenit seiner Karriere.
Gut, man mag nun den Kopf schütteln, dass er aufgrund der verkorkst verlaufenen Offseason der Mavericks - obwohl dringend benötigt, konnte kein einziger Star verpflichtet werden – nicht für den Sommerjob am Bosporus zu haben ist. Aber wie gesagt, die WM in der Türkei bietet nichts was Nowitzki haben will. Mit Deutschland könnte er nur im besten aller Fälle an einer Medaille schnuppern. Die Fans müssen mit dieser Entscheidung nun leben.
Immerhin kündigte der „Dirkster“ aber bereits an, definitiv für die EM 2011 in Litauen bereit zu stehen um für die Teilnahme an Olympia 2012 zu kämpfen. Dass der für Basketballer nun angegraute 32-jährige Nowitzki zum Rosinenpicker wird, darf auch mit leichter Hand verziehen werden, da für Nowitzki die olympischen Spiele seit jeher einen großen Stellenwert in seinem Sport-Leben darstellten. Und obendrein sind die Chancen auf eine Olympia-Qualifikation in Litauen deutlich größer als dieses Jahr, da dort mehr Plätze vergeben werden.
Wie geht es weiter?
Nowitzki tut seinem Körper und den Mavericks einen Gefallen, daran besteht kein Zweifel. Wie geht es aber nun weiter? Kann sich das aufstrebende junge Team um Robin Benzing, Elias Harris, Tibor Pleiß und Tim Ohlbrecht weiterentwickeln? Immerhin stehen sie ein weiteres Mal voll in der Verantwortung. Bereits in der abgelaufenen Saison konnte man erkennen wie deutlich die angesprochenen Jungspunde von der präsenten Rolle während der EM profitierten. Alle machten einen großen Schritt nach vorne. Harris war eine Freshman-Sensation in den USA, Pleiß wurde vor kurzen gedraftet, Benzing dürfte dies im kommenden Jahr bevorstehen und Ohlbrecht wurde zum konstanten Leistungsträger. Ein Verstecken hinter dem „großen Blonden“ sollte ihnen auch dieses mal nur gut tun.
Es stellt sich nun die Frage wer den Spot Nowitzkis übernimmt. Sven Schultze sagte bereits ab. Vielleicht wird so Patrick Femerling, die Nationalmannschafts-Legende im Standby-Modus, reaktiviert um den jungen Frontcourt um Jan Jagla, Yassin Idbihi, Tibor Pleiß und Tim Ohlbrecht einen Batzen Erfahrung hinzuzufügen. Vielleicht wird auch Frankfurt Spielmacher Pascal Roller angerufen, der gerade klasse Playoffs spielte. Bundestrainer Bauermann reist bekanntlich gerne mit drei Point Guards zu den großen Turnieren. So könnte auch Ulms angeschlagener, aber noch sehr unerfahrene, Per Günther nominiert werden. Eine weitere Möglichkeit wäre der junge eingedeutschte Chad Toppert, der gerade in Spanien unterschrieb und als echter Dreierspezialist daherkommt. Die „depth chart“ dürfte am Ende meiner Meinung nach wohl so ausfallen:
SG Demond Greene - Lucca Staiger
SF Robin Benzing - Elias Harris
PF Jan Jagla - Tim Ohlbrecht
C Patrick Femerling – Tibor Pleiß - Yassin Idbihi
Toppert, Günther und auch Bremerhavens Philipp Schwethelm müssten demnach zu Hause bleiben. Das Achtelfinale, unwahrscheinlicher sogar Viertelfinale, wäre sicherlich das Optimum, welches zu erreichen gilt.
Wird ein 2011 bzw. 2012 zurückkehrender und dann 33- bzw. 34-jähriger Nowitzki die Entwicklung der Talente torpedieren? Mit Sicherheit nicht. „Nowe“ müsste aufgrund seiner Spielweise, die beinahe eh komplett ohne Athletik auskommt, auch mit 35 ein Spieler der Sonderklasse sein. Ein ehemaliger NBA-MVP darf indes sowieso für Nationalmannschaft spielen so lange er will. Deutschland kann von einem aktiven Nowitzki nur profitieren.
Dirk Bauermann Reaktion auf Nowitzkis Absage: "Jetzt geht es für meine junge Mannschaft darum, alles dafür zu tun, um in der Basketball-Welt ebenso gut auszusehen wie im vergangenen Jahr in Basketball-Europa."
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