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...und die Ära der NBA-Live-Teams
Jul. 27, 2010 / NBA
by Flo Holnburger
Die Auswirkungen des LeBron-James-Deals
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“It takes 15 seconds to say, ‘I’ve decided to stay in Cleveland,’ but we’ve got another 59 minutes and 45 seconds to, what? Promote LeBron James? As if we don’t do that enough.” Mit diesen markigen Worten verleite Orlando Magic-Coach Stan van Gundy seine, im sarkastischen Unterton ummantelte, blanke Wut über den Miami-Deal. Es ist ja auch ein Akt, welcher an Wettbewerbsverzerrung erinnert, wenn drei großartige Spieler wie LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh sich in einem Team zusammenschließen. Ein Team, welches laut Wirtschaftsexperten für Miami alleine 1 Milliarde Dollar generieren könnte. Da sprach wohl auch deshalb der unverhohlene Neid aus van Gundy, wenn er anfügte, dass „Bron sich zu Wades Schoßhündchen machte.“

Andererseits ist an der „Lapdog-Parabell“ des Magic-Trainers etwas wahres dran. LeBron James zog es mit seinem erst 25 Jahren vor, die Abkürzung zur Ruhmeshalle zu nehmen. Anders als die „Großen“ vergangener Tage wie Michael Jordan, Larry Bird oder Magic Johnson, zieht er kein eigenes Team auf, sondern setzt sich in Miami einfach ins gemachte Nest. Magic Johnson lies sich zum Angriff auf James Mentalität zitieren: „Wir hätten nicht einen Gedanken daran verschwendet, weil das nicht unsere Art war.Wir haben nur darüber nachgedacht, wie wir den anderen schlagen können. Seit meiner College-Zeit ging es mir darum, gegen Larry Bird zu gewinnen."

Charles Barkley streut eh nur zu gerne Salz in jede Wunde: „Er kann nun so oft gewinnen wie er will, James wird niemals in einem Atemzug mit den Größten aller Zeiten genannt werden!“ Da übertreibt der mit übergroßen Mundwerk ausgestattete „Sir Charles“ natürlich maßlos. Steckt sich James in den kommenden Jahren eine Handvoll 'Ship-Ringe an die Finger ist auch er ein ganz Großer. Aber es stimmt sicherlich, Michael Jordan war lange Zeit als wertloser Scorer verschrien, der keinen Team-Erfolg bringen kann, ehe er sich veränderte und mehr Vertrauen in die Stärke seiner Mitspieler, aber auch in seine Stärke als Anführer legte. Dadurch kämpfte sich Jordan aus dem Kritiker-Tal heraus und wurde zum besten Spieler aller Zeiten.

„Seine Lufthohheit“ Jordan – aktuell GM in Charlotte – fasst die Miami-Aktion so zusammen: „Im Rückblick betrachtet, hätte ich niemals bei Larry oder Magic angerufen. Ganz ehrlich, ich wollte diese Typen schlagen! Aber die Zeiten änderten sich halt, ich kann nichts schlechtes darüber sagen, es ist eine Möglichkeit, die diese Kids heutzutage haben.“

Kobe Bryant scheint einer aussterbenden Rasse zu zugehören. Er tickt da anders und ekelte einst Center-Koloss Shaquille O'Neal aus LA um ein „eigenes“ Team zum Erfolg zu führen, um seinen wahren Wert als Basketballer zu finden. Mission erfüllt, seine „Greatness“ steigerte sich enorm. Jordan scheint Recht zu haben, wenn er von veränderten Zeiten spricht. Sicherlich ebneten die standardisierten Verträge (bei denen ein Spieler im Grunde genommen überall das selbe Gehalt einstreichen kann), sowie der teils abartig verstärkte mediale Erfolgsdruck den Weg zur Anhäufung von Superstars in einer Mannschaft.

Auch ein Dirk Nowitzki hätte übrigens ein Angebot von „Wames“ bzw. „Jade“ nicht ausgeschlagen. Puristen mögen nun anmerken, dass den heutigen Jungs der unbedingte Willen zum Wettkampf mit den Besten fehlt. Sind wir eine Generation, die den Wettkampf scheut? Es sieht wohl so aus, man möchte es sich eben nicht schwerer machen als man muss. Wer sämtliche boshafte Häme und den immensen Druck von Fans und Medien, der auf James nach dem frühzeitigen Playoff-Aus seiner Cavaliers prallte verfolgte, mag seinen Schritt aber durchaus nachvollziehen.

Verändert dies die NBA nun nachhaltig?

Miami ist nun für adäquate Role-Player so attraktiv wie ein frischer Hundehaufen für Schmeißfliegen. Sie heuern nun Discounter-Tarif in Florida an....die Role Player, nicht die Fliegen. Klar, dass da andere NBA-Stars vor dieser Übermacht in Ohnmacht verfallen. Chris Paul sieht in New Orleans alle Fälle davon schwimmen und lässt ungeniert offen seinen Wunsch nach New York zu wechseln zitieren. Gleichzeitig steigt nach der kommenden Saison wohl auch Denvers Carmelo Anthony aus seinem Vertrag aus um an den Big Apple zu wechseln. Gleichzeitig strecken auch die LA Lakers die Finger nach Paul aus. Ein ordentlicher Spielmacher würde Bryant/Gasol sicherlich nur zu gut zu Gesicht stehen.

Die Zeiten scheinen vorbei zu sein, als sich 2005 ein mit sprödem Arbeiter-Pöbel gespicktes Detroit die Trophy sicherte. Vorbei die Zeiten, als sich ein Team mit ein, zwei kleinen wie smarten Ergänzungen in den Ring-Kampf werfen könnte. Nein, für die nächsten Jahre müssen sich nun wohl die Superstars gleich im Dreierpack vereinigen um ernsthafte Chancen zu haben. Teams wie in einem Fantasy-Game mit Cheats. Die Ära der NBA-Live-Teams möge kommen...

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Foto: opensourceway 

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