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Türkeis neuer Superstar?
Aug. 31, 2010 / Nationalmannschaft
by Flo Holnburger
Ersan Ilyasova – Der Maskenmann
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Nach dem packenden Sieg über Griechenland ist ein neuer Favorit geboren. Diese Türken machen Spaß. Mit Ersan Ilyasova, der neuerdings immer mit Maske spielt, haben die Türken dabei eine Offensiv-Waffe gefunden, die sie in die Medaillenränge werfen könnte. Falls Ilyasova noch keinen offiziellen Spitznamen hat, wüsste ich einen passenden: ”Turkish Nowitzki”. Der 23-jährige hat sich in der vergangenen Saison bei seinem zweiten Selbstversuch in der NBA festgesetzt und wurde nebenbei einer der Leistungsträger des Überraschungsteams aus Milwaukee.

Moment, ist er überhaupt 23? Kommt er überhaupt aus der Türkei? Eine netter, kleiner Mythos umgibt Ilyasova. Besser gesagt “Arsen Ilyasov”. Der wurde 1984 in Usbekistan geboren und wurde von Verantwortlichen des Vereins Ülker Istanbul heimlich in die Türkei geschleust. Dort statteten diese ihn - natürlich komplett illegal - mit einem türkischen Pass aus, änderten seinen Namen in “Ersan Ilyasova” und verjüngten ihn dabei gleichzeitig um drei Jahre.

Bald darauf wurde ein 15-jähriger „Ersan Ilyasova“ von einem Mann bei den türkischen Behörden angemeldet. Dieser Mann gab sich als sein Vater aus und sagte, er habe vergessen seinen Sohn registrieren zu lassen. Die Behörden untersuchten den Fall, fanden aber keinen Beleg über “Ersans” Herkunft. Stichhaltig bewiesen wurde aber, dass ein “Arsen Ilyasov” im August 2002 die türkische Grenze überquerte und nicht mehr zurück kam. Im September 2002 wurde dann ein “Ersan Ilyasova” registriert.

Der usbekische Basketballverband kämpfte übrigens einige Jahre um Ilyasova, aber die FIBA setzte sein offizielles Geburtsjahr auf 1987, sein Heimatland als die Türkei fest. Egal ob man nun glaubt er sei 23 oder 26, während der WM spielt er als Topscorer der Türkei (17,7 Punkte und 7,7 Rebounds im Schnitt) erfreulich stark und scheint zudem noch eine Menge Potential freisetzen zu können.

Als offiziell 18-jähriger drafteten ihn die Milwaukee Bucks 2005 an 36.Stelle. Diese verfrachteten den blutjungen Ilyasova für ein Jahr in die NBDL (12,5ppg), die Entwicklungsliga der NBA. Im zweiten Jahr durfte er dann als “Hirsch” auflaufen und zeigte dabei gar nicht mal so schlechte Leistungen. Aber es war offensichtlich, dass es hinter Ilyasovas Ohren grellgrün hervorsticht. In Europa sollte der dürre, einzig auf den Wurf getrimmte Forward Erfahrung sammeln, seinen Körper stählen und sich qualitativ entwickeln. Beim europäischen Top-Verein FC Barcelona unterschrieb er für zwei Jahre. Meist startete er dort, im zweiten Jahr wurde er sogar Euroleague-MVP des Monats Oktober. ALBA Berlin schenkte er bei einem Aufeinandertreffen übrigens 30 Punkte ein. Abschließend wurde er mit Barcelona dann auch spanischer Meister. Bei der EM in Polen war er viertbester Punktesammler, viertbester Rebounder und siebtbester Shot-Blocker des gesamten Turniers.

Nach diesen beachtenswerten Leistungen kam zwangsläufig der erneute Ruf aus der NBA, Ilyasova unterschrieb einen Dreijahresvertrag über insgesamt 7 Millionen Dollar bei den Milwaukee Bucks – ein echtes Schnäppchen. Der talentierte Forward sollte sich die Zeit mit Hakim Warrick teilen. Während aber dieser weiterhin mit mittelmäßigen Talent, heftiger Inkonstanz und patentierter Hirnlosigkeit Einsatzminuten verlor, vergrößerte sich der Spielanteil des etwas beständigeren Ilyasova.


Für einen Europäer ist Ilyasova erfreulich athletisch. Durch seine Beweglichkeit bereits immer dazu veranlagt, entwickelte er sich nun endlich zu einem starken Verteidiger. Er ist vor allem ein giftiger One-on-One-Verteidiger am Perimeter. Im WM-Spiel gegen Griechenland zerstörte er einen Angriff nachhaltig per Monsterblock. Nicht umsonst wurde er einst auch als “Next-Kirilenko” gefeiert. Also ein gutes Vorbild für Deutschlands Robin Benzing, der auch noch hart an seiner Athletik arbeiten sollte. Wird Benzing mal der „German Ilyasova“?

Nach dem packenden Sieg über Griechenland ist nun jedenfalls ein neuer Mitfavorit geboren. Diese Türken machen Spaß. Nach dem alle Faulpelze und Stinkstiefel aus der Nationalmannschaft aussortiert bzw. verrentet wurden, scheint der jahrelange Neuaufbau geglückt zu sein. Spanien strauchelt durch das Turnier, Griechenlands schnelleres System ist nicht so effektiv wie ihr ehemaliges Bollwerk, Argentinien alterte merklich und selbst die USA scheinen nicht mehr unbesiegbar.

Die aufgeheizte Stimmung in den Arenen, das ständige Pfeifen der Fans drängt die Gegner in den Wahnsinn, während der Gastgeber motivierter denn je aufspielen kann. Dieser Heimvorteil, ein smarter Coach in Tanjevic, eine beeindruckende Center-Riege mit Erden, Savas, Asik und Gönlum sowie das Edel-Gespann mit Offensiv-Mastermind Hedo Türkoglu und Shooter Ilyasova könnte am Ende für eine Medaille reichen.

Hey, damit Ersan Ilyasova aber ja nicht zu cool rüber kommt. Laut nba.com ist seine Lieblingssängerin Sarah Brightman...geht ja gar nicht!

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FOTO: FIBA ARCHIVE

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