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Das enttäuschende Aus!
Sep. 01, 2010 / Nationalmannschaft
by Flo Holnburger
FIBA 2010-RECAPtain – Deutschland vs. Angola
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Deutschland ist ausgeschieden, das morgige Spiel gegen Jordanien ist Makulatur.Vermutlich würde es das junge Team gegen die zweite Auswahl des TSV 1880 Wurzelsepp spannend machen. Die Mannschaft - so viel ist nach der schwer ernüchternden Overtime-Niederlage gegen Angola klar – ist noch nicht so weit wie erhofft. Soll man nun als Schreiberling hier auf Yabazz.com die Leistung des DBB-Teams vernichtend beurteilen oder soll man die bessere Zukunft der Jungspieler hervor heben?

Deutschland begann da wo es gegen Australien aufgehört hatte. Mental zwei Schritte hinterher hinkend und körperlich von einem athletisch überlegenen Gegner an die Wand gespielt. Einzig Jan Jagla hielt das DBB-Team mit 11 der ersten 15 Mannschaftspunkte im Rennen. Die Startformation hatte zusammengerechnet einen Längenvorteil von über 50cm. Doch anstatt dies gnadenlos auszunutzen, verzettelten sich die Jungs in unproduktiven Aktionen. Das DBB-Team fand gegen die giftige Defense keine Möglichkeit für ein geordnetes Set-Play. Alleine 6 Turnovers in den ersten 6 Minuten war die Folge. Doch dem nicht genug machten die angolanischen Floor-Runner den langen Jungs ordentlich das Leben schwer. Immer wieder slashten die „Little Big Men“ ohne Gegenwehr in die Zone und setzten fiese Nadelstiche. Beim Rebounding fand kein ausboxen statt so, dass Angola immer wieder zu „Second Chances“ kam. Einzig die in der Offensive genial aufgelegten Heiko Schaffartzik, Tim Ohlbrecht und erfreulicherweise Philipp Schwethelm hielten das deutsche Team in Schlagweite von maximal zehn Punkten Rückstand.

Angola war nicht überirdisch, sie warfen so viele Backsteine, man hätte damit in New York einen neuen Wolkenkratzer errichten können. Deutschland spielte schlichtweg schwach und war mental wieder meilenweit von der Frischheit aus dem Serbien-Spiel entfernt. Irgendwann musste man eingestehen, dass Deutschland heute nicht sein eigenes Spiel aufziehen kann. Die kleinere, wendigere Aufstellung mit Jagla/Ohlbrecht/Schwethelm/Schaffartzik/Hamann bedeutete den Umschwung. Als im dritten Viertel noch 4 Minuten übrig waren, fasste sich Steffen Hamann ein Herz und sorgte per schneidigen Drei-Punkte-Spiel für einen Ausweg aus der Trostlosigkeit. Bauermann wechselte Hamann für Schaffartzik danach eigenartiger sofort aus – Steffi blickte reichlich überrascht drein, aber die Nr.5 machte gut weiter. Plötzlich musste sich nicht mehr allein auf Einzelaktionen verlassen werden. So spielte Schaffartzik im Pick'n'Roll schön Tim Ohlbrecht an, der sich wunderbar durch die Zone tankte....and one. Bis zum Viertelende kam so ein netter 14-8-Run zu Stande.

Das Momentum schien gewechselt zu haben. Die zuvor so aufopferungsvoll kämpfenden Angolaner zerfielen. Zweimal Lucca Staiger und einmal Jagla per Dreier gefolgt von Ohlbrechts Drei-Punkte-Spiel und plötzlich lag Deutschland mit 7 vorne. Doch der Kampfgeist der Angolaner erwachte noch einmal, sie wurden wieder besser. Tim Ohlbrecht brachte aber das Team per Dreier 105 Sekunden vor Ende noch mit 9 in Führung.

Den Sack zu machen?

Dann beginn das Grauen. Deutschland stellte das Spielen ein, das Team kann ein Spiel ganz offensichtlich noch nicht closen, nicht den Deckel drauf machen. Ängstlich wirkend verstolperten sie Angriff um Angriff, bis Schaffartzik an der Linie wackelte und 26 Sekunden vor Schluss nur einen Freiwurf zum 78-76 einnetzte. Offenbar von der Furcht ergriffen, die heran eilenden Angolaner treffen den Game-Winner, wurde gefoult. Die Nerven von Angolas Besten Olimpio Cipriano hielten. War dies ein falscher Call Bauermanns? Hätte ein Angolaner tatsächlich den Dreier eingenetzt, wäre Bauermann sicherlich ebenfalls kritisiert worden. Ich bin jedenfalls kein Freund dieser „Wir-wollen-es-selbst-im-Griff-haben-Taktik“, ich hätte auf die eigene Verteidigung gesetzt. Allerdings – das muss erwähnt sein - war die selbige heute ziemlich indiskutabel und Angola versiebte die Freiwürfe zuvor zudem gleich dutzendfach. Schaffartziks vergab danach jedenfalls die letzte Chance in der regulären eher kläglich.

Die Overtime setzte das Bild der letzten Minuten fort. Die Defense war gegen die Penetrator Angolas anfälliger als ein 110-jähriger auf Grippe. Vorne ging nichts mehr. 88-92 sollte der Endstand sein. Dank der löchrigen Verteidigung sollten auch zwei erfolgreiche Dreier nichts mehr bringen.

Kurzanalyse:

Das Team verhielt sich leider alles andere als smart. Man stand trotz des fehlenden Inside-Spiels praktisch mit beiden Beinen im Achtelfinale, aber die Unerfahrenheit machte einen Strich durch die Rechnung. Doch wie lange darf sie noch als Entschuldigung dienen? Am Ende verdiente Angola den Sieg. Sie waren mental frischer, kämpften um jeden Ball und waren über die gesamte Spielzeit betrachtet auch das bessere Team. Deutschlands Verhalten in Abwehr sowie beim Rebounding war mitunter katastrophal. Der größte Typ in Angolas Starting Five ist exakt 2,00m und man 37-44 ausgereboundet. 17 Offensivbretter sicherten sich die „tapferen Zwerge“ aus Afrika. So blieben die extrem starken Minuten im Schlussviertel leider unbelohnt.


Einzelkritik


Jan Jagla – 23P – 6R – 4A – 7/12 Dreier – 4TO – Note 3-
War heute eine Macht von Downtown, versteckte sich aber nach starkem Beginn lange. Gegen die kleinwüchsigen Big Men war er in der Zone praktisch unsichtbar, auch Defense und Rebounding blieb streng unterdurchschnittlich.

Heiko Schaffartzik – 18P – 7R – 4A – 5 TO - Note 3
Hielt das deutsche Team wegen satter 5 Dreier im Spiel. Dass der 1,85m-Mann mit 7 Abpraller der beste Rebounder war ist bezeichnend für die schwache Arbeit des DBB-Teams. Trotz 5 Ballverlusten insgesamt ein ordentliches Spiel

Tim Ohlbrecht – 17P – 4R – Note 2
Geniales Spiel in der Offense. Erarbeitete sich fast alle Punkte vorbildlich in der Zone und war so Deutschlands einziger Mann mit Inside-Präsenz. Hinten war sein Spiel schwach.

Philipp Schwethelm – 12P - 3/4 Dreier – Note 1 mit Sternchen
An anderer Stelle bereits erwähnt: Die Entdeckung des Turniers. Fehlerfrei vorne, gut in der Defense und mal wieder der Spieler, der den stärksten Kopf hatte. Großartiges Turnier von einem, der nur als Bankdrücker mitgenommen wurde.

Lucca Staiger – 8P – 2/3 Dreier – Note 2
Mit einem Dreier-Doppelpack von der selben Stelle brachte er Deutschland erstmals seit dem Startviertel in Führung. Auch defensiv bemüht.

Steffen Hamann – 7P – 4R – 5A – Note 4+
War wieder sehr bemüht, hatte aber mit Angolas Opa-Spielmacher zu viele Probleme. Hätte mehr als zweimal penetrieren sollen. In der Schlussphase mit zwei äußerst ungelegenen Ballverlusten.

Tibor Pleiß – 2P – 4R – Note 5
Hätte sich gegen die kleinere Konkurrenz besser behaupten können. Wurde schnell auf die Bank gesetzt um einer besseren Aufstellung Platz zu machen.

Demond Greene – 1P – 0/7 Würfe – Note 6
Stand komplett neben sich. Aber er hat bei dieser WM eh schon viel getan.

Elias Harris – 0P – 6M
Startete für den angeschlagenen Benzing, wurde nach unsichtbarem Beginn dann aber schnell auf der Bank versteckt.

Robin Benzing – 0P – 11M
War offenbar kränklich ins Spiel gestartet. Hatte in der Overtime zweimal die Chance per Dreier für Hoffnung zu sorgen. Ergebnis: Bricks. Überhaupt nicht sein Turnier.

Chris McNaughton – 0P - 6M
Konnte seine Masse gegen die schnellen Spieler Angolas nicht gewinnbringend einsetzen.


Ein paar Highlight-Videos:



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