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Wie mächtig ist Dirk Bauermann?
Sep. 04, 2010 / Pro A
by Flo Holnburger
Dirk Bauermann vor seinem Lebenswerk
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Auf den 52-jährigen Dirk Bauermann kommt eine schier riesenhafte Aufgabe zu. Schließlich muss er einerseits eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich talentierte Gruppe von Nationalspielern ins goldene Zeitalter führen, andererseits soll er die Basketballabteilung des FC Bayern München dahin führen wo die Fußballer schon längst sind und nebenbei der Beko Bundesliga große Aufmerksamkeit und positive Resonanz bescheren. Dabei wird er derzeit doch nach Verpassen des Ziels WM-Achtelfinales allerorts mit scharfer Kritik konfrontiert...

Man stelle sich Fußball-Nationaltrainer Jogi Löw wäre mit seiner DFB-Elf im Achtelfinale der WM gescheitert. Löw wäre wohl als ungeeigneter Lehrer für die junge Mannschaft angesehen worden, eine Vertragsverlängerung wäre nicht zu Stande gekommen. Nun wird Basketball medial natürlich weitaus weniger beachtet als König Fußball. Aber Bauermann verfehlte nunmal das eigentlich locker erreichbare Minimalziel, da das DBB-Team nach zwei glanzvollen Auftritten regelrecht zusammen brach. Klar, dass dies so einiges an Vorwürfe produzierte.

Was sind die Vorwürfe?

Die Spieler wirkten mit dem Druck mental reichlich überfordert, offensichtlich konnte auch Dirk Bauermann nicht mehr zu ihnen durchdringen und sie motivieren. Im Spiel gegen Angola offenbarte sich zudem einmal mehr, dass Bauermann in engen Spielsituation nicht mit den spritzigsten Ideen aufwarten kann. In Interviews redete er danach die Performance seiner Spieler so schön, als ob neben unglaublichen Pech doch alles nach Plan gelaufen sei. Zuletzt stört man sich auch an seiner Doppelfunktion. Kann er zukünftig die wichtige Aufgabe die jungen DBB-Spieler auf ihrem Entwicklungsweg zu begleiten, zugleich aber die vollen Lasten samt Training und Erfolgsdruck eines Vereinsclubs bewältigen?

Gerechtfertigter Protest?

Generell darf Bauermann durchaus als guter Motivator gelten, er beschwört traditionell eine großartige Team-Chemie hervor. Immer wieder betont er wie wichtig eine vorbildliche Arbeitsmoral ist, die Bedeutung von Fleiß und harter Arbeit. Dementsprechend langatmig war zwar lange Zeit auch seine Art wie er spielen ließ. Ein Stück weit stellte er sich allerdings um und lässt seiner jungen Mannschaft mittlerweile etwas mehr Freiraum. Hingegen sollte auch klar sein, dass Bauermann wohl nie die flashigsten Ideen hervorzaubern wird. Er ist und bleibt ein Coach, der sein Genie vorwiegend in der Defensive ausleben kann. Daher verlässt er sich auf ein relatives starres Offensiv-System in dem eine Mannschaft halt finden soll. Aber was sollte er bei der WM auch anderes tun? Vor dem Turnier wurden Deutschlands Guards von der internationalen Presse teils mitleidig belächelt. Ein ballsicherer, kreativer Playmaker ist hierzulande schlichtweg unauffindbar. Die „WM-Einser“ Steffen Hamann und Heiko Schaffartzik belegen dies vortrefflich - dem einen gelingt nur selten ein geordneter Spielaufbau, der andere ist zukünftig wohl besser auf der Zwei aufgehoben. Dass sich Bauermann dann am Ende schützend vor seinem strauchelndem Team aufbaut und ausschließlich auf die respektablen Leistungen verweist, mag vermutlich nicht allen Gefallen, wirkt aber so umso verständlicher. Ob er damit den mental offenbar noch etwas labilen Youngstern einen Gefallen tut, kann nur Bauermann selbst beantworten. Schließlich arbeitet er mit den Spielern seit Jahren und muss wissen ob ihnen ein bisschen Kritik nicht gut tun würde. Bis auf Tibor Pleiß und Tim Ohlbrecht machte bei diesem Turnier kein Jungspieler eine gute Figur. An Bauermann ist dies wohl nicht fest zu machen, die jungen Spieler sind derzeit offenbar einfach nicht besser oder zumindest noch nicht so weit wie wir es gerne hätten. Das ist die Realität.

Die Last des FC Bayern

Auch wenn der DBB das "Projekt FC Bayern" sehr wohlwollend aufnahm, bleibt die Frage ob er die Doppelbelastung tragen kann. Denn eines steht fest, Bauermanns beste Zeit als Betreuer der Nationalmannschaft hatte er in den Jahren als Vollzeit-Bundescoach. Er engagierte sich, mit nicht zu übertreffendem Arbeitseifer, die mitunter katastrophale Jugendarbeit zu verbessern. Er motivierte die lethargisch wirkenden DBB-Entscheider zu echten Veränderungen. Verbesserungen in Jugendsichtung, Trainerausbildung sowie Breiten- und Spitzenförderung kamen durch ihn voran. Er war es auch, der um die Quotenerhöhung leidenschaftlich kämpfte und sie immer wieder forcierte. So ähnlich dürfte die Idealvorstellung eines Bundestrainers sein. Ein Macher.

Sicherlich muss Dirk Bauermann jetzt die Chance erhalten, beide Jobs gut erledigen zu können. Falls dies aber nicht möglich ist, sollte er jedoch selbstständig zurücktreten. Alternativ könnte er als Berater oder Sportfunktionär des DBBs, sein unumstritten riesiges Fachwissen einbringen. Eine Kündigung seitens der DBB-Führungsriege ist dabei kaum vorstellbar. Diese sind froh, in Bauermann ein echtes Aushängeschild gefunden zu haben, der Nationaltrainer scheint hierbei schon längst mächtiger als seine Vorgesetzten geworden zu sein.

Nein, Dirk Bauermann verhielt sich in den letzten Tagen zweifelsfrei nicht immer korrekt. Noch ist er aber der richtige Mann an der richtigen Stelle. Die Nationalmannschaft befindet sich im dringend notwendigen Umbruch, den Bauermann forcierte. Man sollte nicht zu schnelllebig denken und den Bundestrainer jetzt schon aussortieren, doch nach der eher unwichtigen Weltmeisterschaft steht er mehr denn je unter Erfolgsdruck. Er muss der Nationalmannschaft Konstanz und mentale Stärke beibringen, die jungen Spieler beratend begleiten. Gleichzeitig muss er aber auch der Heilsbringer der Basketball Bundesliga sein und mit der starken Marke „FC Bayern München“ großen - bald auch europäischen - Erfolg und Aufmerksamkeit in den deutschen Vereins-Basketball bringen. Sollte Dirk Bauermann beides bewältigen, hätte er wahrlich sein Lebenswerk vollbracht.

....und nichts anderes ist ihm zuzutrauen

8 Comments

Flo Holnburger September 6, 2010 12:27 PM

Naja, falls die besagten "jungen Wissenschaftler" wirklich kompetent und gleichzeitig bezahlbar sind, dann nur her damit. Keine bessere Entscheidung könnte es geben. Allerdings ist dies ein Schritt, der den DBB-Herren wohl deutlich zu forsch ist. Man kennt ja unsere Traditionalisten.

Vor etlichen Jahren gab's ja die "Mental Coaches" auch schon. Damals hießen sie aber noch Physiotherapeut oder Zeugwart und bauten die Spieler nur so nebenbei auf. Das ist heute dann doch zu unproffessionell.

Detlev Engel September 6, 2010 9:26 AM

Falsche antwort Flo Holnburger.

…es ist nicht bald unverzichtbar. Schon jetzt wirkt sich dieses leistungsmindernd aus, wie ihr, aus meiner Sicht, richtig beschrieben habt! Das Fatale dabei ist, dass es so krass immer nur zum Vorschein kommt bei internationalen Wettkämpfen, im Vergleich mit kulturell und gesellschaftlich anders Handelnden also. Solange es im Nationalen bleibt, kann man immer auch andere Argumente finden.

Es ist auch nicht nur oder muss man sogar sagen, überhaupt nicht das Geld. Es ist eine „Kopfsache“ der Entscheider (Funktionäre) und auch der Macher (Trainer), denen es an dieser Stelle an Wissen, Erfahrung und an innovativer Methodenkompetenz fehlt. Denn: es gibt junge Wissenschaftler, die sich engagieren, wenn man sie nur ließe.

Solange solche Kompetenz und Methoden im Training in Deutschland nicht eingesetzt, sondern tabuisiert werden, solange wird es keine nachhaltige Entwicklung auf breiter Basis für junge Basketball-Nachwuchstalente geben, werden weiter die Einzelkämpfer produziert. Aber wer glaubt noch an dieses alte deutsche Märchen?

Braunschweig, 06. September 2010
Detlev Engel

Flo Holnburger September 5, 2010 4:24 PM

Ja, das "mental coaching" ist etwas, dass im modernen Leistungssport sicherlich bald unverzichtbar wird. Athletischer kann man ja kaum noch werden, im mentalen Bereich kann man allerdings noch reichlich Potential freisetzen.

Es ist nun aber auch mal so, dass sich selbst der Krösus DFB erst seit wenigen Jahren einen "Kopftrainer" leistet. Die "armen Schlucker" vom DBB müssen dagegen vergleichsweise jeden Cent zweimal umdrehen. Ich denke, unsere Nachwuchsspieler müssen daher vorerst noch die Nervenstärke auf althergebrachte Art erlernen: Eben in den entscheidenden Phasen auf höchstem Niveau auf dem Feld sein. Der Weg von moderatem Leistungsdruck (JBBL, NBBL, ProB) über den gehobenen Druck (BBL) bis zur höchsten Stufe (EuroLeague) ist da schon ganz in Ordnung....sofern die Jugendspieler auch überall viel Spielzeit erhalten und das ist leider immer noch nicht der Fall.

Detlev Engel September 4, 2010 8:31 PM

Typisch deutsch
Was mir an dieser Stelle eine Anmerkung wert ist, ist die mittlerweile öfter angesprochene vorhandene oder nicht vorhandene mentale Stärke oder wie in diesem Beitrag die mentale Überforderung von jungen deutschen Basketballnationalspielern, die Hochleistungssportler sind. Wissen tut man offensichtlich in der deutschen Basketballfamilie was das ist oder zumindest was man meint darüber zu wissen. Nur wer weiß es genau, ist in diesem Bereich ausgebildet? Und kann substantiell helfen? Und wer unterstützt finanziell mental coaching?

Meine Vermutung dazu ist, dass weder Funktionäre noch Trainer es wissen. Und dass selbst die Bundestrainer, die im DBB nicht nur im Jugendbereich tätig sind – dort wäre es aber doppelt wichtig - weder es genau wissen, noch ausgebildet sind geschweige denn, dass sie in der Lage wären mental zu coachen oder aber fachlich dazu ausgebildete Profis kennen, die dieses können. Jeder Trainer ist damit selbst mental überfordert, auch ein Bundestrainer Dirk Bauermann.

Hinzu kommt das mental coaching in Deutschland negativ besetzt ist und nur eingesetzt wird, wenn es zu spät ist. Ganz im Gegensatz z. B. zu dem gelobten Land des Basketballs. Solange das mental coaching aber kein normaler Bestanteil der Aus- und Weiterbildung von jungen deutschen Basketballtalenten ist und darüber hinaus in den Reifeprozess von jungen deutschen Basketballtalenten und jungen Basketballnationalspielern einfließt und als normales Instrument eingesetzt wird und professionell arbeitende Psychologen daran mitarbeiten, solange werden junge Basketballspieler mental überfordert bleiben, wird es keinen Fortschritt in der Sache geben. Typisch deutsch!

Braunschweig, 04.September 2010
Detlev Engel

Josef W. September 4, 2010 7:35 PM

Sorry, Doppelpost Fehler. Was ich sagen wollte.
Naja, man wird nach der nicht wirklich zufriedenstellenden WM Bauermanns Leistungen schon kritisch betrachten dürfen. Man hört ja nur das Beste über Bauermann, aber richtig dufte fand ich seine Performance bei der WM nicht. Und ich muss da dem Schreiber des Artikels insoweit recht geben, dass Bauermann seine beste Leistung lieferte als er Vollzeit-Nationaltrainer war. Mal sehen, ob er ähnlich effizient handelt, wenn sich sein Arbeitspensum verdreifacht. Ich finde man sollte Bauermann nicht blind sondern kritisch folgen. Meine Meinung.

Josef W. September 4, 2010 7:27 PM

naj

Andreas Hamberger September 4, 2010 7:08 PM

Find ich auch. Lasst Dirk Bauermann in Ruhe arbeiten!

Rita Quinz September 4, 2010 6:55 PM

Ich habe selten so viel Blödsinn gelesen. Dirk Bauermann ist das Beste, was dem deutschen Basketball passieren konnte. Lasst Dirk seine Arbeit machen - sowohl in der Nationalmannschaft als auch beim FC Bayern München. Er wird Erfolg haben. Dirk ist ein herausragender Trainer und Motivator!

Kommentare