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by Flo HolnburgerDie All Blacks und der Haka
Ehrlich, ich habe mich schon (erfolglos) an ihm versucht. An dem „Haka“. Er sieht ja auch unglaublich beeindruckend aus. Die neuseeländischen Basketballer zelebrieren den Ritualtanz der Māori vor jedem Spiel. Er wurde mittlerweile zu einer Art Tradition des neuseeländischen Sports und scheint genau der richtige Motivator zu sein, der das Basketball-Team auch bei dieser WM wieder Erfolg bringen kann.
Der Haka ist der Sprechgesangtanz der Neuseeland-Natives, der Māori. Dieser martialische Gesang mit großen Tanzgesten soll die Krieger motivieren und den Gegner gleichzeitig einschüchtern. Hier wird er beispielsweise vor gellend pfeifenden, griechischem Publikum beeindruckend präsentiert:
Begonnen hat damit die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft. Bei diesen Muskelpaketen sieht der Tanz natürlich umso beeindruckender aus:
Doch auch bei einem 2,10m-Hühnen wie Basketball-Legende Sean Marks kommt er vortrefflich rüber. Inzwischen zelebrieren so ziemlich alle neuseeländischen Mannschaftssportler diesen spektakulären Kriegstanz, sogar Neuseelands Jugendbasketball-Mannschaften lassen sich dieses Privileg nicht nehmen so, dass man sich darauf regelrecht freuen darf. Nur Ricki Herbert, der Coach der „All Whites“, der neuseeländischen Fußballmannschaft, verwehrt seiner Mannschaft diese ganz spezielle Einstimmung auf ein Spiel, da der Tanz laut seiner Aussage, bei „den dürren Fußball-Jungs einfach nicht fürchterlich genug aussieht“. Neuseelands Eishockey-Cracks stört da nicht einmal der rutschige Untergrund:
Ganz klar, neben Schafen, und Herr der Ringe darf der Haka in die Klischee-Reihe Neuseelands aufgenommen werden. Die Basketballer führen ihn jedenfalls vor jedem Spiel vor, vielleicht schüchterte der Tanz vor zwei Tagen auch die junge französische Mannschaft ein, als diese deutlich den Kürzeren zogen. Klar, Frankreich war vielleicht nicht voll bei der Sache, da diese durch eine taktische Niederlage den Übergegner Griechenland aus dem Weg gegangen wären. Wer Neuseelands Basketball allerdings unterschätzt, hat schon verloren. Die Niederlage fiel mit einem Punkt zu hoch aus so, dass sich Neuseeland auf den dritten Gruppenplatz vorkämpfte und nun auf das schlagbar erscheinende Russland trifft.
Russland ist ein junges Team. Bisher hielten sie sich tapfer, was zum Teil auch dem genialen Coach David Blatt angerechnet werden darf. Die Leader Andrei Kirilenko und JR Holden werden allerdings trotzdem streng vermisst. In einer verrückten WM, in der das unerwartete erwartet werden darf, könnte Neuseeland den größten Erfolg der Geschichte wiederholen.
2002 kämpften sich die „All Blacks“ auf einen verdienten vierten Rang. Wir müssten uns noch gut daran erinnern, da Deutschland in Vorrunde und im Spiel um Platz 3, gleich zweimal gegen sie ran mussten. Sean Marks trat zwar kurz vor der WM 2010 zurück, dennoch sind aber auch noch acht Jahre nach dem Coup, einige Spieler von damals dabei: Neuseelands Superstar Kirk Penney, der 36-jährige Phil Jones oder der kleine, schwergewichtige Power Forward Pero Cameron (1,98m), der schon lange vor Jeff Gibbs über die Spielfelder dieser Welt kugelte. Allesamt sind sie auch heute noch Leistungsträger.
Allen voran natürlich Kirk Penney (Foto), der gleich zum WM-Einstand gegen Litauen 37 Punkte auf die Ergebnistafel brannte. Schade, dass der 1,95m-Guard nur noch in Neuseelands Liga spielt. Die Cuts Penneys sind nach wie vor fantastisch und erinnern an den Meister des „Blöcke umlaufens“: Reggie Miller. Mit 25,4 Punkten im Schnitt ist er zweitbester Punktesammler der WM. Dahinter formiert sich eine Riege von Arbeitern: Der aus Fidschi stammende und sehr vielseitige Mika Vukona oder auch der stark reboundende Guard-Forward Tom Abercrombie. Zuletzt darf auch der 135 Kilo Mann Pero Cameron fehlen. Mit 36 steht er nicht mehr allzu oft auf dem Feld, aber iimmer wenn's wichtig wird. Er kämpft robust um jeden Ball und findet auch in höchster Bedrängnis den freien Mann. Der Vierer gilt als hervorragender Passgeber. Dies ist bei den FIBA-Rules natürlich umso wichtiger. Überhaupt fällt auf, dass die „All Blacks“ den Ball wunderbar verteilen können um den freien Mann zu finden. Kombiniert mit ihrem Kämpfergeist, sind sie so schon ziemlich unangenehm zu spielen.
Der aktuelle Ozeanienmeister hat einen Lauf, seit drei WM-Spielen ungeschlagen, könnten die "Kiwis" nun mit viel Glück und Kampf tatsächlich noch für Furore sorgen.
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Foto: FIBA ARCHIVE
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