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by Flo HolnburgerStephen Arigbabu über die WM
Stephen Arigbabu ging von
1990 bis 2007 in insgesamt 166 Einsätzen mit dem Nationalteam durch
dick und dünn, erlebte das Tief der Jahre nach dem Titel 1993, sowie
die Höhepunkte um den Gewinn von WM-Bronze '02 und EM-Silber '05.
Arigbabu beschäftigt sich zwar viel mit seinem eigenen Mode-Label
"Arist" samt Web-Shop
(oben im Foto steckt er sogar selbst in einem freshen Shirt), hört
man der DBB-Legende mit ungeteilter Aufmerksamseit zu, wenn er
für Yabazz das Abschneiden des deutschen Teams bei der WM in der
Türkei en detail analysiert.
YABAZZ: Stephen, eigentlich
wollten wir uns für ein "Round up"? nach der WM-Vorrunde sprechen.
Jetzt muss ich aber leider schon nach Deinem WM-Fazit
fragen?
STEPHEN ARIGBABU: Tja, unterm Strich war die Leistung
schon enttäuschend, keine Frage. Dennoch muss man bei diesem jungen
Team vor allem das Positive hervorheben, eben die starken ersten
Spiele. Schwarzmalerei oder Einkloppen auf Spieler ist der denkbar
falsche Weg. Man muss auch immer wieder betonen, dass das Team ja
nicht für das Turnier qualifiziert war. Führt man sich dies vor
Auge, schlug sich die Mannschaft vor allem am Anfang sehr
gut.
Trotzdem standen neun der zehn europäischen WM-Teams im
Achtelfinale. Nur Deutschland nicht...
Beschönigen will ich
hier nichts. Angola muss man definitiv hinter sich lassen. Aber
auch wenn die Leistung im vergangenen Jahr gut war, offiziell
qualifizieren konnten sie sich eben nicht. Wenn ich jetzt lese, dass
alles katastrophal gewesen sein soll, ärgere ich mich. Ich meine,
bspw. Tim Ohlbrecht ist erst 22, er spielt seit gefühlten zehn
Jahren in der Bundesliga und ist immer noch so jung. Den Jungs muss
man einfach noch Zeit geben, sie müssen lernen dürfen. Manche tun
auch unbegründet so, als ob Deutschland plötzlich eine
Basketballmacht wie Spanien oder Serbien sei.
Die
Nowitzki-Jahre, sowie die grandiosen ersten beiden WM-Spiele
verwöhnten den Betrachter wohl zu sehr. Dazu war die Niederlage
gegen Angola wirklich ein gnadenloser Höllenritt. 9 Punkte reichten
nicht für 105 Sekunden....
Sicherlich. Dazu ist
Deutschland ja traditionell eine Turniermannschaft. Diesmal war es ja
nahezu der Gegensatz. Die Jungs hatten halt ihre besten Spiele am
Anfang und kamen sofort ins Turnier. Aber es stimmt 9 Punkte in
eineinhalb Minuten! Ein Videospiel macht man da schon aus, weil man
nicht mehr verlieren kann. Irgendwie sind solche unglaublichen Dinger
aber auch das, was Basketball schön macht. Wie damals 2005, als Dirk
Nowitzki diesen wahnwitzigen Schuss gegen Spanien machte. Es macht
halt bloß nicht so wirklich Spaß, wenn man auf der anderen Seite
steht...
Oh ja, Hamann war nach dem Angola-Spiel den Tränen
nah, Pleiß ging fluchend in die Kabinen. Was machen die Spieler nach
diesen harten Ereignissen nun so?
Ab nach Hause zur Familie
und noch drei, vier Tage wegfahren. Versuchen den Kopf frei zu
kriegen und dann geht schon die Vorbereitung auf die neue Saison
los.
Gibt's bei der Verarbeitung Unterschiede im Alter?
Klar,
25- bis 30-jährige wissen was sie können und glauben an sich. Die
jüngeren lassen sich von der oftmals zu heftigen Kritik hoffentlich
nicht aus dem Konzept bringen. Sie bewiesen ihr Können bereits. Es
fehlt ihnen allein noch die Konstanz ihre Leistung abzurufen. Drei,
vier Jahre BBL sollten da helfen.
Erfahrung also? War
Erfahrung der Hauptgrund für das Scheitern? Oder sind die DBB-Jungs
auch einfach nicht viel besser. Jan Jagla bspw., soll plötzlich ein
Anführer sein, spielte aber bei seinem polnischen Klub nur 17,8
Minuten im Schnitt.
18 Minuten klingt ganz deutlich
nach Rollenspieler. Ich sagte ja. Deutschland ist keine Großmacht im
Basketball. Trotzdem halten sich die Gründe die Waage. Fehlende
Erfahrung und fehlende mentale Fitness fielen ebenfalls auf. Selbst
die Veteranen erwischte es, Demond war nach gutem Anfang total kalt.
Normalerweise liefern solche Spieler bei zehn Auftritten, acht gute
Leistungen. Den Gründen sollte man nachgehen und es dann möglichst
abstellen.
Wäre vielleicht ein "Mental Coach" DIE
Idee?
Ich erinnere mich noch an ein sehr gutes Buch, welches
ich vor rund zehn Jahren las. Es hieß darin ungefähr: Ein Coach
trainiert mit Dir alles mögliche von Taktik bis Kraft. Wenn's auf
dem Spielfeld aber eng wird, schreit er nur "Konzentrier' Dich!"
Aber trainiert hat er das nicht mit Dir. Will heißen: Auf lange
Sicht ist ein Psychologe unverzichtbar. Er muss ja nicht ständig
dabei sein, aber vor wichtigen Spielen auf alle Fälle. So wie ich
Dirk Bauermann kenne, stünde er dem prinzipiell sehr offen
gegenüber.
Zu Deiner Aktiven-Zeit im National-Dress,
übernahmen wohl Physiotherapeut oder Zeugwart diese
Aufgabe?
Richtig! Wir hatten immer zwei, drei Physios dabei,
die uns auf ihren Liegen behandelten. Da gleich mehrere Spieler im
Zimmer lagen, war dies wirklich ein wichtiger Treffpunkt zum
Meinungsaustausch. Es war eine ehrliche Meinung, die nicht vom Coach
kam. Das half auf jeden Fall. Heutzutage ist so etwas aber zu wenig.
Da benötigt es einen Profi. Ich denke, es ist jetzt noch nicht
unbedingt zwingend, aber in Zukunft wird es so sein.
Die
Schuld des vorzeitigen Aus kann man auch zum Teil auf die Spielmacher
schieben. Steffen Hamann und Heko Schaffartzik zogen den Angriff
nicht immer gut auf?
Stimmt sicherlich. Hamanns Ballverluste
gegen Angola sind kaum zu entschuldigen, auch Heiko machte Fehler.
Trotzdem sind beides gute Spieler, keine Superstars, aber gute Jungs.
Tja, ein Mix aus den beiden wär's halt...
Eine letzte Ursache
für das Verpassen des Ziels ist die Athletik. Gegen Australien oder
auch Angola war das Team eher überfordert?
Australien ist da
vielleicht nicht so ein gutes Beispiel. Mit Maric und Anderson haben
die schon zwei richtig starke Leute im Frontcourt. Ansonsten müssen
unsere Jungs ihr Programm einfach durchziehen. Mein Kumpel, Marko
Pesic, erzählte mir, was bspw. Robin Benzing alles macht. Der ist
schon auf einem guten Weg...wie alt er ist 22, 23...
...21 ist
der Benzing sogar erst...
(lacht) 21 erst! Mein Gott, und da
machen die Leute so ein Theater. Benzing ist halt so ein Typ, wie
damals Nino Garris. Der trainierte so viel wie Robert Garrett und
Demond Greene, aber nur die letzteren zwei bekamen die dicken
Muckies. Lassen wir Benzing seine Sache machen, vor zwei Jahren war
er noch in der 2.Liga. Dirk (Nowitzki) entwickelte auch erst im Lauf
der Jahre den NBA-Körper..und jetzt ist er 31. Bei Tibor Pleiß
ist's genau so. Geben wir ihnen Zeit.
Was aber
auffällt. Letztes Jahr bei der EM, spielte Robin Benzing mit viel
weniger Muskeln noch richtig traumhaft? Die Scouts leckten sich die
Finger bis zum Ellbogen, um bei den Benzings eine Audienz zu
erhalten.
Naja, schlechter ist er mit Sicherheit nicht
geworden, aber er blieb bei der WM schon deutlich unter seinen
Möglichkeiten. Die Konstanz fehlt halt noch. So viel ist klar.
Andererseits darf die Kritik durchaus als Lob angesehen werden. Die
Leute erwarten also etwas von ihm, obwohl er noch so unglaublich jung
ist.
Da spricht die positiv denkende Logik aus Dir. Sehr
schön. Weiter zu Elias Harris. Seine Athletik wurde im Turnier
praktisch nicht eingesetzt. Auf dem College lötet er 40% der Dreier
rein, bei der WM durfte er nichts machen.
Das hat mich auch
gewundert. Jetzt müsste man natürlich seine genaue Rolle in
Bauermanns System kennen. So hat's jedenfalls nicht
funktioniert.
Gut, dass Du Bauermann ansprichst, der sein Ziel
verfehlt hat. Er bleibt definitiv der Bundestrainer, aber sollte er
auch bleiben?
Vom DBB wird er sicherlich nicht gekündigt.
Dafür hat er viel zu viel geleistet und auf die Beine gestellt. Ob
er selbst zurücktritt? Er muss sich an seinem Ziel messen und sich
die Rücktrittsfrage dann selbst stellen. Alternativen gibt's auch
nicht wirklich?
Vielleicht Mike Koch, Stefan Koch oder
Svetislav Pesic
Ja, gute Kandidaten. Ich denke aber, Bauermann
sollte unbedingt bleiben. Sein Offensiv-System ist nicht immer das
Beste, ansonsten gibt's nichts zu beanstanden. Außerdem, wären
diese angesprochenen 105 Sekunden nicht gewesen, würde nun kaum
einer Bauermanns Arbeit in Frage stellen.
Wie tickt
Dirk Bauermann eigentlich so? Nimmt er sich die Kritik sehr zu
Herzen?
Wie jeder Coach hat er zwei Seiten. Die private -
da ist er nett und ganz normal - sowie seine "Hallen-Seite".
Da weicht die Privatseite einer sehr ehrgeizigen, zielstrebigen
Auffassung. Was ich an ihm wirklich mag: Selbst nach harter Arbeit,
hat er immer einen guten Spruch auf den Lippen. Mit Kritik kann er
bestens umgehen, dafür hatte er bereits ausreichend Erfolg.
Dirk
Bauermann nimmt nun ja Demond Greene und Steffen Hamann mit in die
zweite Liga zum FC Bayern München. Das heißt, sie spielen nun
mindestens zwei Jahre keinen Euro-Basketball im Verein. Packen sie
dennoch das Niveau der Nationalmannschaft?
Das sehe ich kein
Problem. Ich denke, sie sind erfahren genug, dass sie sich auch von
der 2.Liga aus gut einstellen können. Außerdem wird in München ja
nicht ProA-üblich trainiert. Bauermann leitet da ein
Qualitäts-Training in allen Bereichen.
Wunderbar,
Stephen. Vielen Dank für die ausführliche Analyse! Den Lesern sei
Stephens Web-Shop seines eigenen Labels ARIST ans Herz gelegt.
www.arist.de bietet stylishe
Shirts für Baller, gerade für die langen Jungs. Das Shirt im Foto
ist übrigens hier zu finden: KLICK!
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