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Auf dem zweiten Bildungsweg
Sep. 08, 2010 / Nationalmannschaft
by Flo Holnburger
Linas Kleiza – Now with grim beard!
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Europa tut gut. Bestes Beispiel ist Ersan Ilyasova, der in der NBA beinahe schon als gescheitert galt und deswegen nach Europa wechselte um seiner Karriere einen neuen Kickstart zu geben. Es funktionierte. Bei der WM ist er Türkeis bester Spieler. Ein noch aktuelleres Beispiel für die regenerativen Fähigkeiten Europas ist Litauens Linas Kleiza. Nach einem effizienten Jahr in Griechenland wechselt er nun ebenfalls wieder zurück in die NBA.

Der 27. Draft-Pick von 2005 trug alle litauischen Hoffnungen noch bevor er sein erstes NBA-Spiel absolvierte. Kleiza sollte die litauische Basketball-Tradition von Arvydas Sabonis über Saruna Marciulionis und Sarunas Jasikevicius (was für Namen!) fortführen. In seiner neuen Heimat Denver blieb der 20-jährige aber hinter den Erwartungen zurück. Kleiza spielte zwar solide, konnte in seinem letzten NBA-Jahr sogar durchschnittlich 9 Punkte erzielen, aber den Sprung zum Starter schaffte er trotz riesigen Potentials nie. Kopflos, wenig clever und eindimensional sind die passenden Attribute für seine vier NBA-Jahre. An einem Abend war er der tödliche Sniper von der Dreierlinie, am nächsten schoss er die Lichter aus. Bei einem schlechten Spiel stänkerte er rum, um nach sich so endgültig aus dem Spiel. Er hatte es allerdings auch nicht leicht, hinter Superstar Carmelo Anthony wurde Kleiza eben auch nur sehr einseitig eingesetzt. Er sollte an der Dreierlinie stehend auf den freien Wurf warten.

Dabei hatte der 2,03m große Forward schon immer nette Bewegungen im Post, bloß blieben diese Skills in der NBA eben brach liegen. Obwohl die Nuggets gerade als DAS Überraschungsteam der Saison bis ins ConFinal stürmten, kehrte Kleiza der NBA aus freien Stücken den Rücken. In Griechenland bei Olympiakos Piräus verdiente er dazu auch ein hübsches Sümmchen. Gleichzeitig wurde er dort aber umgeschult. Mit einem nun von 111 kg voll ausgefüllten Frame, war er einer der besten Power Forwards Europas. In der Euroleague – der zweitbesten Liga der Welt – markierte er rund 18 Zähler im Schnitt, was ihm zum Topscorer machte.

Ganz nach dem Motto: „Mit Bart spielt's sich grimmiger!“ machte er es Spaniens Pau Gasol nach, ließ sich einen männlichen Vollbart wachsen und nahm fortan den Zonen-Infight an. Er nutzt seine Kräfte und Toughness gnadenlos aus. Dabei vergisst der 25-jährige natürlich nicht die alte litauische Schule. Smart wie Arvydas Sabonis (okay, so smart kann niemand sein) nutzt er seine gesamtes Basketball-Wissen aus um auch mit feinen Moves zum Abschluss zu kommen. Man darf sich da regelrecht freuen, wenn Kleiza in zehn Jahren ein mit allen Wässerchen gewaschener Veteran ist und vermutlich nur noch von einem riesigen Wissen zusammengehalten wird. Kleiza sollte man zwar immer noch nicht frei von „Downtown“ werfen lassen, aber er stellte sein Spiel schon gewaltig um und wirft nur noch selten von außen. Per Dreijahres-Vertrag verdient Kleiza nun 19 Millionen Dollar und soll bei den Toronto Raptors, die ja mittlerweile eh schon traditionell Euro-Ball spielen, wahlweise den abgewanderten Chris Bosh oder Hedo Türkoglu ersetzen. Eine schwierige Aufgabe.

Mit 19.5 Punkten und 7.2 Rebounds führt das "litauische Powerhouse" Linas Kleiza derzeit jedenfalls sein junges Team in einem Übergangsjahr zu beeindruckenden Erfolg. Eigentlich sollte die Mannschaft erst im nächsten Jahr bei der Heim-EM aufblühen. Doch bereit jetzt steht Litauen nach Siegen über Spanien und Frankreich ungeschlagen im Viertelfinale: Das Spiel Argentinien vs. Litauen wird da wohl auf das Duell der beiden Edel-Power-Forwards Luis Scola und Linas Kleiza hinauslaufen.


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Foto: http://www.behance.net/gallery/Lithuania-National-Team/290994


Derweil scheint aber das Konzept, sich noch etwas länger in Europa ausbilden zu lassen, der adäquatere Bildungsweg zu sein, als möglichst früh in die NBA zu wechseln - zumindest für europäische Spielertypen. Spaniens Ricky Rubio macht es da also genau richtig. Eines dürfte dabei aber jedem Spieler Mut machen. Wer in der NBA zu scheitern droht, kann in Europa seine Karriere neu starten. Sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg

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