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Erst Iran und nun Russland? All the enemies
Sep. 08, 2010 / Nationalmannschaft
by Flo Holnburger
USA vs. Russland – Cold War 2.0?
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Njet, wenn das am Donnerstag das WM-Viertelfinale USA gegen Russland ansteht, schwebt höchstens noch Bruchteil der Rivalität vergangener Tage durch die Halle. Der Kalte Krieg ist glücklicherweise begrabener als das Zeitalter der PC-Diskette. Dennoch, verlieren will man hier gleich doppelt nicht. Zwischen den beiden Ländern herrscht weiterhin ein gesundes Konkurrenzdenken, was sicherlich auch in der gemeinsamen, sportlichen Vergangenheit begründet liegt.

1972. Das Basketball-Finale der olympischen Spiele von München. Die Atmosphäre wurde vom Flair des kalten Krieges bestimmt. Bis 1992 durften keine Profis bei Olympia dabei sein. Also sendete die USA eine Truppe voller College-Spieler nach München, die sich ins Finale vorarbeiteten. Der Klassenfeind aus der Sowjetunion trat dagegen mit bärenstarken Quasi-Profis an, die nur offiziell als Amateur-Sportler deklariert wurden. Dementsprechend überlegen hielt sich das sowjetische Team über das gesamte Spiel in Front. Die USA ließen den Abstand aber nie zu groß geraten, als schlussendlich die drei wahnwitzigsten Sekunden des Basketballs kommen sollten, die Basketball-Freunde noch heute eine fiese Gänsehaut verleiht.


Das Drama nahm seinen Lauf. Dem jungen Guard aus Illinois Doug Collins wurde drei Sekunden vor Ende beim Stand von 48-49 gegen USA zwei Freiwürfe zugesprochen. Der spätere NBA-Coach netzte die Freiwürfe ganz oldschool sicher ein. Dieses 50-49 war gleichzeitig die erste amerikanische Führung in diesem Spiel. Die USSR-Akteure spielten sofort weiter, wurden aber an der Halbfeldlinie gestoppt. Die US-Spieler dachten bereits gewonnen zu haben, doch die Sowjetunion wurde nach kurzer Streitphase die eigentlich gezogene Auszeit zugesprochen. Alles zurück, die USSR brachte Sergei Belov – ein langliedriger, rothaariger Center mit 70er-Jahre-Friese und Porno-Bart ins Spiel, die Uhr wurde auf drei Sekunden zurückgestellt. Die US-Spieler waren da noch ganz cool, drei Sekunden mit Einwurf des Gegners unter dessen Korb? Das ist unmöglich.


Zweiter Versuch: Der Ganzfeldwurf der USSR geht daneben, die US-Spieler springen aufs Feld und freuten sich ausgelassen den Titel gewonnen zu haben. Doch die Stimme des Hallensprechers ist genervt melodisch zu vernehmen: „Bitte verlassen Sie das Spielfeld. The Scoreboard is not right.“ Die Zeitnehmung lief nicht korrekt, also bekam die Sowjetunion zum dritten Mal die drei Sekunden für den letzten Einwurf. Tomlinson, ein großer Forward der USA machte sich vor dem sowjetischen Einwerfer breit, der Ref schob ihn etwas weg. Doch Tom McMillan machte zu viel Platz. Ein Ganzfeldpass – der Einwerfer trat dabei auf die Linie (!) - auf Belov nutzte dieser aus um den Siegtreffer nach gutem Körpereinsatz in den Korb zu zittern.


Ein Protest der USA wurde abgeschmettert, wohl auch deswegen, da im fünfköpfigen Komitee drei Sowjetunion-freundliche (lies: kommunistische) Mitglieder saßen. Die US-Spieler verweigerten darauf die Silber-Medaille. Der bereits verstorbene Kenny Davis vermerkte sogar in seinem letzten Willen, dass niemand, auch nicht seine Familienmitglieder, diese Silber-Medaille für ihn stellvertretend annehmen dürfe. Die USA beharrt noch heute auf Betrug, Russland auf ein reguläres Ende, womit letztere wohl eher Recht haben dürften. Das Drama in bewegten Bildern ist hier zu sehen.



Dem nicht genug, der Klassenkampf fand auf sportlicher Ebene einen weiteren Höhepunkt, als sich wieder eine College-Auswahl der USA an sowjetischen Profis rächen konnte. Das „miracle on ice“ bei Olympia 1980:


Nun wirken diese Duelle so old school wie „Fanta 4“, die Teams haben nichts mehr mit denen von damals zu tun. Die USA sind eine strauchelnde Weltmacht, während die ehemalige Sowjetunion sich öfter aufteilte als ein radioaktives Atom. Litauen, das Kernstück des sowjetischen Basketballs ist dabei ebenfalls flügge geworden. Im russischen Team herrscht mit David Blatt unangefochten ein amerikanischer Trainer. Mit dem eingebürgerten J.R. Holden – der diesmal fehlt – hat Russland obendrein einen US-stämmigen National-Helden, der Russland den EM-Titel '07 brachte. Der älteste Spieler Russlands ist dazu Victor Khryapa mit 28 Jahren. Er war also keine 10, als die Sowjetunion zusammenbrach.

Es stehen sich zwei junge Teams gegenüber. Ein junges USA, welches mit talentierten Spielern voller Nationalstolz durch die WM rollt sowie junges Russland, welches ohne Anführer (Kirilenko und Holden fehlen und Khryapa angeschlagen) mit einem fantastischen Coach überraschende Erfolge feiert und bisher mit jedem Gegner mithalten konnte. Ein heißes Spiel darf erwartet werden.

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