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by Flo HolnburgerArgumente gegen Airline - DBB-Sprecherin Elisabeth Kozlowski über den EM-Verzicht
Yabazz:
Vier Tage vor der Entscheidung entschied sich der DBB die Bewerbung für
EuroBasket 2015 zurückzuziehen. Wie ist die Stimmung im Hauptquartier in Hagen?
Elisabeth Kozlowski: Die
Enttäuschung überwiegt, da wir das Projekt mit sehr viel Herzblut betrieben
haben. In den letzten Tagen haben wir parallel an der Fertigstellung der 30-minütigen
Bewerbungs-Präsentation für Sonntag gearbeitet und Szenarien für einen
möglichen Rückzug vorbereitet. Wir hofften immer noch auf ein positives Ende.
Nun aber ist man plötzlich von einem auf den anderen Tag aus dem Prozess raus,
das ist ein bisschen skurril. Wir haben mit Dirk Nowitzki und Tony Parker
Material für die Präsentation vorbereitet und zuletzt mit Heiko Schaffartzik
auf einem Hochhausdach in Berlin gedreht. Das alles wandert jetzt in die
Schublade.
Man könnte die Videos zumindest noch auf YouTube einstellen?
Zumindest die Outtakes
werden wir wohl schon online stellen, aber wohl erst zu einem späteren
Zeitpunkt.
Kommen wir zu den Details des Verzichts. In einer gemeinsamen Presseerklärung
der vier Verbände gab man die vier Millionen große Sponsorenforderung als
Knackpunkt an. Was steckt da dahinter?
Die FIBA Europe fordert
für die Austragung der EuroBasket einen bestimmten Betrag. In diesem Fall reden
wir von mindestens acht Millionen Euro, welche man aber zweigeteilt betrachten
muss. Vier Millionen als grundsätzliche Gebühr sowie vier Millionen für ein
Sponsoren-Paket. Also Bandenwerbung, Fernsehzeiten und dergleichen. Klar
definiert ist da aber nichts.
Am 7.12. erreichte uns das Schreiben, welches uns letztendlich zum Rückzug bewog. In diesem Schreiben
forderte FIBA Europe, dass wir zum Entscheidungstermin am 18. Dezember einen
Sponsor, der eben diese vier Millionen garantiert, präsentieren, wohl vor dem
Hintergrund, dass die Ukraine ihre staatliche Airline als Partner vorstellt.
Für uns hätte dies bedeutet, dass wir – ich nenne jetzt mal einen fiktiven Partner
– zu Opel oder Mercedes gehen hätten sollen und dort anfragen müssen ob sie uns
für ein vier Jahre entferntes Event - für das wir noch keine Rechte haben – ein
Sponsoring garantieren. Das entbehrt schlichtweg einer seriösen Grundlage.
Zudem änderte die FIBA Europe auch kurzerhand die Zahlungsmodalitäten. So wäre
die letzte Zahlung bereits fünf Monate vor dem ersten Hochball, also im März
2015, eingefordert worden. Da die Verbände aufgrund der Regularien fast nur
durch die Ticket-Einnahmen etwas verdienen können hat das die Lage nochmals
verschärft. Wir kennen das aus anderen Turnieren, fünf Monate vor dem Start
sind maximal zehn Prozent der Tickets verkauft.
Ein „Vorvertrag“ mit Sponsoren ist heute keine übliche Vorgehensweise mehr?
Nein, außerdem sind die
Sponsorenverträge ein Sachverhalt, bei dem auch noch der FIBA-Welt-Verband
mitmischt und das Ganze auf eine neue Stufe der Komplexität anhebt. Hätten wir
am 19.12. die Austragungsrechte erhalten, wären wir auf verbindliche
Sponsoren-Suche gegangen.
Der DBB verkündete, dass Geld kein Problem gewesen wäre. Acht Millionen Euro
hören sich für einen Verband mit einem jährlichen Budget von 5.5 Millionen Euro
nach sehr viel an...
Es ist viel. Man muss
hierbei allerdings festhalten, dass die geforderte Summe auf alle vier Verbände
aufgeteilt worden wäre. Der DBB hat mit seinen Partnern einen seriösen
Finanzierungsplan vorgelegt, der alle geforderten Beträge beglichen hätte. Aber
endgültig eben erst nach dem Event, was für den gesunden Menschenverstand eigentlich
logisch klingt.
Wäre
mit den neuen Forderungen der FIBA Europe ein Millionen-Defizit befürchtet
worden?
Soweit konnten und
wollten wir es nicht kommen lassen. Durch die Forderungen hätten wir uns vor
unseren Partnern - also der Stadt und dem Land Berlin, sowie NRW mit den
Städten Köln und Düsseldorf und zuletzt auch dem Steuerzahler – nicht mehr
rechtfertigen können. Da wir aber auch weiterhin als seriöser Gesprächspartner
angesehen werden möchten zogen wir uns zurück.
Nun ist Ingo Weiss der Vizepräsident der FIBA Europe, konnte er der neuen Entwicklung auch nichts entgegenwirken?
Man muss hier unterscheiden zwischen Präsidium und dem ausführendem Organ um Generalsekretär Nar Zanolin. Unser Präsident ist bekannt dafür, die Probleme klar anzusprechen und mit dem Rückzug, gerade in der Deutlichkeit und Vehemenz, setzt auch Ingo Weiss ein klares Zeichen. Im Übrigen sind alle vier Präsidenten der Bewerbungs-Gemeinschaft Mitglieder im Board der FIBA Europe und werden am Sonntag die Diskussion suchen.
Wollte
die FIBA Europe Ukraine als Ausrichter haben? Wenn man deren nachgereichten und
viel zu knapp gehaltenen Bewerbungsunterlagen sieht, erinnert das ein bisschen
an die Fußball-WM-Vergabe nach Quatar, an die olmypischen Winterspiele in
Sotschi.
Ich will das
ukrainische Komitee nicht an den Pranger stellen, aber bei den angesprochenen
Bid Dossiers kamen wir das erste Mal ins Grübeln. Wir reichten unser
gemeinsames Dossier ordnungsgemäß bis zum 1. August ein, es war 122 Seiten lang
und hatte alle notwendigen Angaben. Wir machten dies im
Nationalmannschaftssommer ja nicht nur, weil wir Lust und Zeit dazu hatten. Die
Ukraine lieferte ihr Dossier dagegen Wochen später nach – was unserer Meinung
nach gegen die offizielle Bewerbungregeln verstieß. Ich habe ihr Dossier vor
mir liegen, es ist sage und schreibe 14 Seiten lang und von Hallenplanung,
Transport oder Hotelbelegungsplan ist darin nicht viel zu sehen. Unser
Bewerbungsteam hatte dennoch großes Selbstbewusstsein, dass die sachlichen
Argumente überzeugen. In der o2-World in Berlin wären die fünf deutschen Spiele
eingeplant gewesen, als Trainingshalle war die Max-Schmeling-Halle gedacht. Ein
Top-Niveau also und beste Bedingungen für die Sportler.
Zog
man sich auch vier Tage vor der Abstimmung zurück, da eine Farce-Wahl
befürchtet wurde?
Nein, wir hatten keine
Angst vor der Abstimmung. Wir überlegten ja auch bis zur letzten Sekunde ob wir
uns zurückziehen sollen oder nicht, weil wir auf eine Klärung gehofft haben.
Allgemein wurden wir als der aussichtsreichere Kandidat favorisiert. Unser
Konzept steht nach wie vor und wir sind nach wie vor überzeugt davon, dass die
EuroBasket 2015 einen Ausrichter verdient, der professionell arbeitet und
unsere Sportart durch das Event weiter nach vorne bringt. So gerne wie wir aber
die EM ausgerichtet hätten, wir mussten letztendlich diese Entscheidung
treffen.
In den östlichen Staaten scheint Macht und Wirtschaft noch sehr eng verbunden
zu sein, was das Sponsoring... sagen wir mal „erleichtert“. Kann indes die EuroBasket in westlichen
Staaten nicht mehr alleine ausgetragen werden?
Die aktuelle
Finanzkrise macht es für jedes Land schwierig, das nötige Kapital aufzubringen.
Insgesamt hätte die EM 2015 ein Budget von 30 bis 35 Millionen Euro gehabt, das
ist nicht leicht zu stemmen. Es war unsere Vision die EuroBasket neu
auszurichten und auch kleineren Verbänden eine Vorrunde zu ermöglichen. Dabei
waren diesmal sogar keine kleinen Verbände im Bunde, in Frankreich wird
hochprofessionell gearbeitet und selbst dort hätte man die EM nicht alleine
finanzieren können.
Nun steht leider mehr oder weniger offiziell fest, dass man dem großen Dirk
Nowitzki nie ein Heim-Turnier ermöglichen konnte. Er wäre wohl nur für die
Heim-EM 2015 nochmal ins DBB-Dress geschlüpft...
Sehr schade, ja. Allerdings
weiß man bei Dirk nie. Wir haben da die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Bereits
letztes Jahr meinten viele er werde den Teufel tun und nach über 110
NBA-Spielen und nur sehr kurzer Pause noch für das Nationalteam auflaufen.
Offiziell ist er nicht zurückgetreten, er hat auch immer betont, dass er für
Deutschland spielen werde, wenn es um etwas gehe und er fit ist. Aber es geht
nicht nur um Dirk. Die EM 2015 in Deutschland war für viele andere Spieler auch
ein großes Ziel und ein tolles Erlebnis – insofern für alle extrem bitter.
Wobei unsere heimischen Youngster auch 2018 ein gutes Alter erreicht hätten.
Robin Benzing wäre dann 29 Jahre alt, Niels Giffey 27 oder Paul Zipser 24.
Wolfgang Brenscheidt und Ingo Weiss überlegten ja bereits laut, wird man sich
gemeinsam mit Frankreich für die WM 2018 bewerben?
Es ist eine Überlegung
und sicherlich der logische Schritt für uns. Allerdings darf man da nicht vergessen,
dass die WM 2010 in der Türkei war und die WM 2014 in Spanien stattfinden wird.
Es hängt von der Mitbewerber-Situation ab. Eine WM drei Mal hintereinander in
Europa ist eher unrealistisch, aber auch nicht unmöglich. Die FIBA World ist
eben keine FIBA Europe, die Großturniere reihenweise in den Osten Europas
vergibt. Wenn sich allerdings kein Bewerber aus Amerika, Asien, Ozeanien oder
Afrika findet, haben wir sehr gute Chancen und werden alles daran setzen, das
Event nach Deutschland zu holen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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